Die vielversprechende Aufwärtsbewegung der Aktienkurse, die Mitte Januar begann, ist zum Stillstand gekommen. Als erkennbar wurde, daß die Fonds angesichts der rasch steigenden Kurse ihre Anlagekäufe stoppten und die Banken Kursgewinne realisierten, wurde auch das Publikum vorsichtiger. Der sogenannte Berufshandel löste sich von solchen Papieren, deren Kurse überdurchschnittlich gestiegen waren und stieg auf die "Zurückgebliebenen" um. Das brachte noch einige Tage Bewegung in die Kurse, reichte aber nicht aus, um die Börse insgesamt wieder in Fahrt zu bekommen.

Wird sie wieder in ihre alte Lethargie zurücksinken? Das ist jetzt die bange Frage. Sie ist deshalb berechtigt, weil echte Anzeichen für eine Konjunkturbelebung vorerst nicht zu erwarten sind. Das Haus Siemens rechnet damit, daß sich bei ihm die Mittel aus dem Eventualhaushalt frühestens im Oktober als Umsatz niederschlagen. Impulse müssen also von anderer Seite kommen. Man verspricht sich einiges von einer weiteren Diskontsenkung und von einer möglichen Lockerung der Mindestreserven.

Gut hielten sich in der vergangenen Woche die Bank- und Chemie-Aktien. Hier glaubt man sich vor unangenehmen Überraschungen sicher. Daß die Banken gut verdient haben – und gut verdienen werden –, ist eine Selbstverständlichkeit, und die großen Chemie-Konzerne haben ihre Karten bereits auf den Tisch gelegt. Sie sind nach wie vor Anziehungspunkt einiger ausländischer Anlegergruppen, die von der deutschen Börse in diesem Jahr einiges erwarten. Zu dieser zuversichtlichen Beurteilung hat das Auftreten von Bundeswirtschaftsminister Professor Schiller in Zürich viel beigetragen.

Kursrückgänge gab es bei den Eisen- und Stahlpapieren. Der Reiz, Gewinne zu realisieren, war angesichts der vorangegangenen Kurssteigerungen bei ihnen am größten. Die neue These der Börsenspekulation ist: "Montane über 100 Prozent kaufen wir nicht!" Wenn Hoesch und Klöckner die gleiche Dividende (sechs Prozent) zahlen, ist nicht einzusehen, warum die Kurse um 20 Punkte auseinanderklaffen müssen, wurde resümiert. Hoesch-Aktien flogen auf den Markt, Klöckner und zeitweilig auch Oberhausen wurden gekauft. Zum Spekulationspapier Nr. 1 ist wieder einmal die GBAG-Aktie aufgerückt. Man tippt auf eine "Bereinigung" der Besitzverhältnisse und im Zusammenhang damit auf ein günstiges Abfindungsangebot. Aber wie oft schon haben sich solche Spekulationen als falsch herausgestellt!

K. W.