Von Petra Kipphoff

Über Irland kann man, so scheint es, nicht vernünftig reden, ein Fremder nicht und ein Ire erst recht nicht. Wenn man die mündlichen und schriftlichen Zeugnisse über diesen westlichsten Punkt Europas addiert, so ergibt sich, daß diese Insel vor allem eins ist: emotionsüberladen.

Man braucht in dieser Angelegenheit nicht einmal die Weltberühmtheiten zu zitieren: Joyce, der das Land, in dem seine Bücher hartnäckiger verboten wurden als anderswo, mit bitterem Hohn verließ, nie wieder zurückkehrte und doch nicht für drei Zeilen von seiner Herkunft loskommen konnte (oder wollte); auf der anderen Seite Yeats, der wortgewaltige Poet, der jedoch, wenn es um sein Land ging (und das war, eine Folge der politisch turbulenten Zeiten, oft der Fall) von allen guten Musen verlassen und nur noch von pompösen Sentimentalitäten besessen schien.

Shaw und Synge, Lady Gregory und Iris Murdoch, Yeats und Swift, Joyce und O’Connor, Behan und Beckett – sie alle, so wenig ihnen sonst gemeinsam ist, sind auf eine fast pathologische Weise mit ihrem Geburtsland verbunden. Und der Reisende, der selber einmal vor der monumentalen Anlage des Rock of Cashel gestanden hat, der im Dunst des Atlantik die drei hellen Striche der Aran-Inseln ausgemacht hat, der in Dublins Long Hall erkannt hat, daß Guiness wirklich "good for you" ist – der Besucher des Landes schließt sich den Einheimischen an und bekennt seine Unfähigkeit, auf dieses sonderlichste, wunderbarste Reiseerlebnis, das er je hatte, sachlich normal zu reagieren.

All dies vorausgeschickt, bleibt es dennoch unverständlich, warum es in deutscher Sprache bisher zwar allerlei skurrile Druckwerke, aber kein einziges brauchbares Buch über Irland gibt. Mit Macht wirbt die grüne Insel, die ein paar deutsche Devisen gut gebrauchen kann, in unseren Zeitungen, und der wildgewordene VW, der einen auf der verlassenen Straße in Connemara hupend überholt, ist tatsächlich, wie gefürchtet, aus Essen – aber diese für gewisse Verlagshäuser doch vielversprechende Lage erkannt hat (wenn man von der vorhandenen Irland-Literatur schließen darf) keiner. Gerade jetzt wieder sind zwei Bildbände erschienen, die, man würde lieber auch nur halbwegs guten Gewissens das Gegenteil behaupten, jeder auf seine Art wieder einmal das Thema verschenken.

Wenigstens ein schönes Photo-Bilderbuch ist der Band von

Micheál Mac Liammóir und Edwin Smith: "Irland"; Atlantis Verlag, Zürich; 203 S., 42,– DM.