Mao Tse-tung, so ließ sich "Newsweek" von einem Ostblockdiplomaten berichten, hat gegen Friedensverhandlungen zwischen Nordvietnam und den USA nichts mehr einzuwenden, falls die Führer in Hanoi eine Vorbedingung erfüllen: Die Sowjetunion darf auf keinen Fall als Friedensvermittler auftreten. Angeblich mußte Mao grünes Licht für Friedensgespräche geben, weil er seinen Verbündeten nicht mehr garantieren konnte, daß sowjetische Hilfslieferungen sicher über China nach Nordvietnam gelangen.

In der Tat hatte die Sowjetunion die Chinesen beschuldigt, sie behinderten den Transitverkehr. Da Peking nicht mehr für die Sicherheit der Sowjetdiplomaten aufkommen wolle, könnten sie auch nicht die Hilfslieferungen betreuen und dirigieren. Die für den Kreml höchst unerfreuliche Folge wäre, daß alles Rüstungsmaterial per Schiff nach Vietnam befördert werden müßte. Das wiederum erhöhte die Gefahr eines amerikanisch-sowjetischen Zusammenstoßes, den die Sowjetführer unbedingt vermeiden wollen.

Dieser Umstand nötigte Kossygin, energischer denn je auf Verhandlungen über Vietnam zu drängen; die Sowjetpresse beschuldigte Peking sogar, eine friedliche Lösung zu sabotieren.

Am Wochenanfang jedoch wurden die Sowjets des Argument; beraubt, daß sich China jeglicher Zusammenarbeit in Vietnam widersetze. Überraschend wurden die Rotgardisten, die 19 Tage lang die Sowjetbotschaft in Peking belagerten, zurückgepfiffen und die Bewegungsfreiheit der Diplomaten wiederhergestellt. Dennoch: Auf der Bühne Vietnam werden sich Moskau und Peking weiterhin den Rang streitig machen.