Die Einigung der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion über einen Atomsperrvertrag macht nicht nur den Politikern, sondern auch der Wirtschaft Sorgen. Man fürchtet, daß der Sperrvertrag die nichtatomaren Staaten nicht nur vom militärischen, sondern in weiten Bereichen auch vom technischen und wirtschaftlichen Fortschritt ausschließen soll. Bisherige Praktiken der Nuklearmächte – beispielsweise beim Verkauf von Brennstoff – nähren den Verdacht, daß sie sich auch bei der friedlichen Nutzung des Atoms ein Monopol sichern wollen.

Das geplante Kontrollsystem, dem sich nur die Staaten unterwerfen sollen, die noch nicht über eigene Atomwaffen verfügen, während die Nuklearmächte davon befreit sind, öffnet außerdem der Industriespionage Tür und Tor. Bedenken gegen eine vorbehaltslose Unterzeichnung durch die Bundesrepublik wurden daher von vielen Seiten laut:

Fritz Berg, der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, wies darauf hin, daß die Wirtschaft mit Besorgnis die Diskussion um den Vertrag verfolge. Würde er ohne Modifizierung angenommen, dann bedeute dies "den Ausschluß der Bundesrepublik aus der für die gesamte Zukunft wichtigen Forschung". Qualifizierten Wissenschaftlern bliebe dann nichts anderes übrig als auszuwandern. Man könne sich ausrechnen, wann die Bundesrepublik auf das Niveau eines Agrarstaates zurückgeworfen wird.

Bundeskanzler Kiesinger: "Wir würden uns gegen die lebenswichtigen Interessen unseres Volkes versündigen, wenn wir nicht vor einer Unterzeichnung Forderungen für die friedliche technische Entwicklung der Möglichkeiten der Atomforschung auch für uns stellen würden."

Ludwig Erhard hat davor gewarnt, die modernen Industriestaaten von der friedlichen Nutzung der Atomenergie durch einen Sperrvertrag auszuschließen. Der freie Zugang zum technologischen Fortschritt müsse von der Bundesrepublik "unter allen Umständen und mit aller Kraft verteidigt werden."

Franz Josef Strauß, Bundesfinanzminister und Vorsitzender der CSU betonte, daß man vor einer Unterzeichnung die wissenschaftlich-technologischen Konsequenzen prüfen müsse. Vor allem müsse auch geklärt werden, ob die Nuklearmächte nach eigenem Gutdünken bestimmen könnten, was militärische und was nichtmilitärische Forschung sei.