Der Ärger, der die deutschen Kommunisten gegenwärtig dazu verleitet, ein Eigentor nach dem anderen zu schießen, hat sie auch noch mit Blindheit geschlagen. Wie anders wäre es sonst zu erklären, daß sie das Schlußkommunique der Außenministerkonferenz der Warschauer-Pakt-Staaten, das in allen östlichen Hauptstädten gleichlautet, durch ihre Agentur ADN und "Neues Deutschland" schlicht verfälschen ließen?

Die Konferenz sei in einer Atmosphäre vollen gegenseitigen Verständnisses" verlaufen, heißt es im Kommuniqué – aber in Ostberlin wurde daraus eine Atmosphäre "völligen Einvernehmens. Was aber "gegenseitiges Verständnis" heißt, wurde durch die Ostberliner Textveränderungen erst richtig verdeutlicht: Man einigte sich in Warschau auf die gegenseitige Duldung der verschiedenartigsten Standpunkte und Methoden, fand jedoch nicht zu einheitlichen, für alle verbindlichen Verhaltensregeln gegenüber der Bonner Ostpolitik.

Das war im aufgelockerten Klima des östlichen Bündnissystems auch gar nicht anders zu erwarten. Denn für Ungarn und Bulgarien liegt die Problematik der Beziehungen zu Deutschland nun einmal anders als für die Tschechoslowakei und Polen – Unterschiede, die auch unsere Politik berücksichtigen muß, will sie sich nicht durch leichte und schnelle Erfolge wie den in Bukarest täuschen lassen. So wie dort kann es anderswo nicht gehen, schon gar nicht, wo es sich um wirkliche Nachbarschaft handelt und bittere Hypotheken abzutragen sind. Die Bewährungsprobe steht der neuen Ostpolitik noch bevor – nicht zuletzt auf dem Weg nach Belgrad, der noch mit "Hallsteinen" alter Machart gepflastert ist. Ste–