Als "großen Erfolg" wertete Premierminister Wilson den Besuch seines sowjetischen Kollegen Kossygin in England. Das stimmte nicht ganz: Den Frieden in Vietnam zauberten sie nicht herbei. Und "heißer Draht", regelmäßige Treffen der Handels- und Technologie-Minister beider Länder und ein Ausschuß für kulturelles und sportliches Hinüber und Herüber verbürgen allein noch keine besseren Beziehungen. Den von Moskau improvisierten Freundschaftspakt haben die Engländer erst einmal im Schoß des Foreign Office begraben.

Das Schlußkommuniqué war so klar wie Außenminister Brown es nur wünschen konnte: Alle Staaten Ost- und Westeuropas wurden ermuntert, bei Achtung ihrer souveränen Gleichberechtigung und territorialen Unverletzlichkeit zusammenzuarbeiten.

Brown ließ sich auf einer Pressekonferenz, in einem unachtsamen Augenblick einen Lapsus zuschu den kommen, der die sorgsame Defensivtaktik des Schlußkommuniqués wieder zerstörte. Dort war weder von der Bundesrepublik, noch von Neonazis, ja nicht einmal von der Oder-Neiße-Linie de Rede. Doch Browns "Ja, in einen gewissen Sinne!" auf die Frage, ob das Kommuniqué ein Schritt zur Anerkennung der polnischen Westgrenze sei, war sofort der Mittelpunkt der Diskussion. Die anschließenden erläuternden Abschwächungen wurden kaum noch mitanjehört.

Allenfalls war gemeint, Bonn solle einem künftigen Botschafteraustausch mit Warschau oder Prag Grenzgarantien hinzufügen und London und Moskau sollten das ermutigen. Aber am Vorabend des Besuchs von Wilson und Brown in Bonn reichte diese Formulierung aus, um deutsche Besorgnisse zu nähren.

Im übrigen; der persönliche Eindruck, den Kossygin in England machte, war keineswegs schlecht. Er wurde, wohin er kam, an der physischen Aufdringlichkeit Chruschtschows gemessen – und für angenehmer befunden. Den Vorgänger hätte man weder mit der Queen im Buckingham-Palast noch mit der Tory-Führung im Carlton-Club zusammengebracht.