Unser Kritiker sah:

ZIGEUNER

Oper in zwei Bildern von Ruggiero Leoncavallo Stadttheater in Flensburg

Daß zwei Operneinakter verschiedener Komponisten wie ein Zwillingspaar des Verismo zusammengekoppelt werden, hat sicherlich gute Gründe. Ist – wie Mascagni zu seiner "Cavalleria rusticana" – auch Leoncavallo dazu verurteilt, lediglich mit seinem "Bajazzo" zu überleben

Zwanzig Jahre nach dessen Uraufführung kam (1912) in London ein anderer Einakter (in zwei Bildern) heraus, von dem Leoncavallo sagte: Er "ist bei weitem das Beste, was ich seit dem Bajazzo geschrieben habe". Aufmerken läßt ferner ein literarischer Umstand: Das Libretto dieser "Zigeuner" stützt sich auf eine gleichnamige Verserzählung von Alexander Puschkin. Freilich, liest man in der deutschen Übersetzung des epischen Originals nach, die Johannes von Guenther vorgelegt hat, dann möchte man jede Opernhoffnung fahren lassen.

Doch Puschkins bessarabische Zigeuner-Romanze ist für den Theatergebrauch handfest dramatisiert worden. Da steht die Zigeunerin Fleana – scheinbar eine Carmen – zwischen zwei Männern. Im ersten Bild führt sie ihren heimlichen Geliebten Radu, einen Fremden, den Zigeunern zu, und "der Alte" gibt sie zusammen, nachdem auch Radu Zigeuner geworden ist. Rauschendes Fest.

Zwei Jahre später erhört Fleana den Stammesdichter Tamar, als dieser Aussicht hat, Zigeunerkönig zu werden. Durch einen Racheakt des Verlassenen verbrennt das Paar in seiner Liebeshütte. Der Mörder ersticht sich. (Puschkin ließ die Ballade in der Weisheit des Zigeuner-"Alten" kulminieren.)