Von Bodo Harenberg

Bewaffnete Polizisten schickten Hunde und Pferde wider die Wütenden, Mitglieder des Ordnungsdienstes rüsteten zur Attacke, an den Toren drehten Wasserwerfer landeinwärts. Ort der Handlung: Stadien in München und Dortmund. Anlaß der Rebellion: Die Schiedsrichter.

Dererlei Aufruhr ist an der Tagesordnung, seit es die Bundesliga der Fußballspieler gibt. Von diesem Tage an verspürten Zuschauer in Nürnberg jeden Pfiff des Schiedsrichters gegen ihren Klub wie einen Schuß ins eigene Herz, und seither gilt es als erwiesen, daß die Unparteiischen Partei nehmen. Natürlich immer für den Gegner.

Das Fußballvolk, das die Regeln meist nicht aus dem Buch, sondern nur vom Zuschauen kennt, sann auf Rache. Flaschen, Steine und andere Wurfgeschosse flogen und fliegen seither gegen Schiedsrichter. Oft brauchen die Herren Polizeischutz, um vor die Tore der Stadien zu kommen.

Daß Vorsicht ratsam ist, beweist eine schreckliche Bilanz blutiger Überfälle:

  • In Duadalajara (Mexiko) traten und schlugen drei Spieler einer Firmenmannschaft den Schiedsrichter tot.
  • In Somali starb Schiedsrichter Salah Mobar, nachdem er von Spielern und Zuschauern auf dem Spielfeld überfallen worden war.
  • In Jugoslawien fand ein Schiedsrichter das tödliche Messer im Rücken, mit dessen Stich Fanatiker eine "falsche" Entscheidung rächten.

Die Gerichte sühnten zwar solchen Frevel, sie vermochten jedoch die Unschuld der Schiedsrichter in den Augen der Fußballfreunde nicht zu beweisen. Für die Fans ist der sportliche Schlichter nicht nur äußerlich – der Schiedsrichter trägt schwarz –, sondern grundsätzlich der schwarze Mann auf dem Platz.