Voller Verachtung sprach der indonesische Informationsminister Diah vorige Woche von Staatspräsident Sukarno, der zwanzig Jahre lang als "Vater der Nation" gefeiert worden war – bis zum Putsch des 30. September 1965: Sukarno sei "nur noch ein Randproblem". Auf die Frage, ob das Staatsoberhaupt über die Kabinettsbeschlüsse zur Wiederbelebung der indonesischen Wirtschaft informiert worden sei, meinte Diah, der Präsident könne ja die Zeitungen lesen.

Sukarnos Uhr ist fast abgelaufen. Elitesoldaten haben ihn in seinem Palast interniert;, der Kommandant seiner Leibwache wurde verhaftet, sein Adjutant abberufen. Tausende von Studenten dürfen in den Straßen Djakartas demonstrieren und seinen Kopf verlangen. Anfang März wird das Parlament untersuchen, ob die angeblichen Beweise für Sukarnos Mitwisserschaft am Septemberputsch für einen Hochverratsprozeß genügen.

Eigentlich wollte General Suharto, der "starke Mann" des Militärregimes, den Staatengründer Sukarno, der in Teilen der Armee und bei der Bevölkerung in Zentraljava immer noch verehrt wird, bis zur: Neuwahl im nächsten Frühjahr das Gnadenbrot essen lassen. Dann hätte er demokratisch abgewählt werden können, ohne daß ein neuer blutiger Aufruhr zu befürchten wäre. (Nach dem Putschversuch 1965 waren in Indonesien Hunderttausende wegen ihrer tatsächlichen oder vermeintlichen Sympathie für den Kommunismus abgeschlachtet worden.)

Aber Sukarno ließ das Intrigieren nicht, warf der Regierung Knüppel in den Weg, wo er nur konnte, so daß Suharto seine Bemühungen gefährdet sah, das Vertrauen der Geldgeber in den westlichen Ländern zurückzuerobern.

Standhaft und starrsinnig hat sich Sukarno geweigert, seine Mitschuld an dem angeblich kommunistisch-prochinesischen Putschversuch zu bekennen und dann abzutreten oder sich auf eine Auslandsreise zu begeben, von der er dann nie zurückkehren würde. Er tut einfach nichts, was es den Militärs erleichtern würde, den "Versager" ohne Aufhebens zu beseitigen.

Bisher wurde Sukarno nur wegen seiner Freundschaft mit Peking und den Kommunisten verdächtigt; neuerdings werden ihm auch der wirtschaftliche Niedergang des Landes und seine weltbekannte Vorliebe für das zarte Geschlecht zur Last gelegt. Eine "Vereinigung christlicher Arbeiter" bezichtigte den 65jährigen Präsidenten der Vielweiberei. Außer den vier legitimen Frauen, die ihm der Koran erlaubt, halte er sich insgeheim noch eine fünfte – ein Photomodell in Djakarta.

Lieblingsfrau Ratna Sari erwartet derweilen in ihrer japanischen Heimat die Geburt ihres ersten Kindes. Hoffnungen seiner Gegner, der Vater werde sich Ende dieses Monats selber nach Tokio ans Wochenbett begeben, wurden von Sukarno rasch dementiert. Er will Djakarta nicht freiwillig verlassen.