Die Dresdner-Bank-Fonds "Concentra" und "Industria" haben für 1966 die Jahresausschüttungen kürzen müssen. Sie folgen damit dem Beispiel anderer deutscher Anlagegesellschaften. Dabei sind die Erträge aus Dividenden und Zinsen bei allen Fonds entweder auf der Höhe des Vorjahres geblieben oder gestiegen. Rückläufig waren die sogenannten außerordentlichen Einnahmen (Bezugsrechtserlöse und Kursgewinne), die zum Teil von den deutschen Fonds dazu benutzt werden, die Jahresausschüttungen aufzufrischen. Der Verzicht von Concentra und Industria auf weitere Gewinnrealisationen zugunsten einer möglichst hohen Ausschüttung ist deshalb zu begrüßen, weil die den Fonds belassenen Mittel eine Beteiligung an der kurzen Hausse zu Beginn dieses Jahres ermöglicht und damit zur Wertsteigerung der Zertifikate beigetragen haben.

Aus der Einleitung, meine verehrten Leser, mögen Sie ersehen, daß hohe Fonds-Ausschüttungen den Zertifikatsinhabern nicht immer zum Segen gereichen. Seriöse internationale Anlageunternehmen haben es sich zum Grundsatz gemacht, nur echte Erträge, das heißt Dividenden und Zinsen, an die Anteilseigner zu verteilen, dagegen Erlöse aus Bezugsrechtverkäufen und realisierte Kursgewinne stets der Wiederanlage zuzuführen. Bei uns in der Bundesrepublik war es bisher leider so, daß die Ausschüttungen ein Mittel des Wettbewerbs darstellten. Dadurch entstand der falsche Eindruck, daß derjenige, der viel ausschüttet, auch besonders tüchtig ist. Da aber immer mehr Sparer begreifen, daß der Erfolg eines Investmentfonds niemals allein an der Höhe der Ausschüttung gemessen werden kann, sondern daß gleichzeitig die Veränderung des Ausgabepreises berücksichtigt werden muß, beginnt die Ausschüttung als Wettbewerbsmittel an Wirksamkeit zu verlieren.

Die Deutsche Investment-Trust Gesellschaft für Wertpapieranlagen mbH, eine hundertprozentige Dresdner-Bank-Tochter, hat indessen noch nicht ganz darauf verrichtet, die Ausschüttung als Werbeargument zu benutzen. In einer Mitteilung an die Presse weist sie darauf hin, daß die Ausschüttung bei Concentra von 2 Mark je Anteil 8,2 Prozent des Ausgabepreises vom 31. Dezember 1966 darstellt. Bei Industria beträgt der gleiche Satz bei einer Ausschüttung von 3,30 Mark 6,6 Prozent und bei Transatlanta bei 2,75 Mark 6,9 Prozent. Wenn man sich dagegen die "echte" Bilanz ansieht, dann ist der Concentra-Besitzer unter Berücksichtigung der 1966 erfolgten Ausschüttung um 11,6 Prozent ärmer geworden, bei den Thesaurus-Zertifikaten (Thesaurus ist ein Fonds, der nichts ausschüttet, sondern alle Erträge reinvestiert) betrug der Minus-Satz 15,6 Prozent, bei Industria 11,7 und bei Transatlanta (Fonds mit internationalen Werten) 9,4 Prozent.

Angesichts dieser negativen Zahlen liegt die Frage auf der Hand: Haben die Fonds richtig gewirtschaftet? Ob das in jedem einzelnen Fall richtig oder falsch war, was die Fonds an Veränderungen zu bieten haben, wird erst in späteren Jahren sichtbar werden. Grundsätzlich konnte sich kein deutscher Aktien-Fonds der Baisse an den deutschen Börsen entziehen, es sei denn, er hätte auf den Besitz von Aktien völlig verzichtet und seine Gelder ausschließlich auf Sparkonten angelegt. Abgesehen davon, daß die engen deutschen Wertpapiermärkte solche radikalen Veränderungen nicht zulassen, würde eine solche Politik auch dem Auftrag widersprechen, ein Fonds für Aktienwerte zu sein.

Sieht man sich die hohen und gegenüber dem Vorjahr gewachsenen Barvermögen des Fonds an (bei Concentra erreichten sie am Jahresende 18,29 Prozent) so sind sie nicht nur ein Ausdruck der Vorsorge für die bevorstehende Ausschüttung, sondern offensichtlich auch ein Zeichen dafür, daß man bei der Dresdner Bank zumindest am Jahresende noch nicht mit einer durchgreifenden Kurserholung gerechnet hat. Die Anlageexperten sind von der kräftigen Januar/Februar-Hausse überrascht worden. Allein im Januar hatte Concentra einen Wertanstieg um 8,6 Prozent und Thesaurus um über 10 Prozent. Damit ist innerhalb kürzester Frist ein erheblicher Teil der Vorjahresverluste wieder ausgeglichen.

Der Geschäftsführer des Deutschen Investment-Trust, Dr. Wolfgang Tormann, macht kein Hehl daraus, daß die Anlageexperten weiterhin mit Skepsis in die Zukunft sehen: "Der .Tiefstpunkt der derzeitigen Konjunkturphase ist noch nicht erreicht. Das wirtschaftliche Wachstum wird sich 1967, im ganzen gesehen, mindestens auf dem extrem niedrigen Niveau des Jahres 1966 bewegen, eher vielleicht sogar noch etwas darunter liegen. Die Unternehmensgewinne liegen infolge langjähriger Kostensteigerungen der Vergangenheit nach wie vor unter einem erheblichen Druck, der natürlich auch die Investitionsfähigkeit und -bereitschaft der Unternehmen erheblich beeinträchtigt hat und beeinträchtigt. Neue wirtschaftliche Impulse auf Grund der Konjunkturmaßnahmen der Bundesregierung und die Entspannung am Arbeitsmarkt werden sich erst im Laufe der Zeit allmählich auf unsere Wirtschaft auswirken. Doch", so sagte Tormann zum Schluß, "die Börse pflegt wirtschaftliche Entwicklungen verhältnismäßig langfristig vorwegzunehmen, weshalb wir zuversichtlich annehmen, daß die jüngst eingetretene – vielleicht manchmal etwas zu hektische – Kurserholung der Anfang einer längerfristigen freundlichen Kursentwicklung in Deutschland sein kann." Wir wissen nicht, meine verehrten Leser, was die Fonds der Dresdner Bank im Januar und in den ersten Februar-Wochen getan haben, aber auf Grund dieser "Lagebeurteilung" kann man wohl annehmen, daß sie ihr Pulver noch nicht verschossen haben, sondern noch über einige liquide Mittel verfügen.

Das richtige Timing, also die Auswahl des genauen Zeitpunktes für die Vornahme von Käufen und Verkäufen, ist aber nur ein Gesichtspunkt der Anlagepolitik. Einen zweiten, nämlich die Bemessung der Barreserven, haben wir schon eingangs besprochen. Beide treten meiner Ansicht nach jedoch zurück hinter der zweckmäßigen Auswahl der zu kaufenden oder verkaufenden Anlagewerte. Zu oft wird dabei vergessen, daß nach dem Investmentgesetz die deutschen Anlagegesellschaften nicht völlig frei in der Wahl der in den Fonds aufzunehmenden Aktien sind. Es ist gut, daß Dr. Tormann daran erinnert, daß nur amtlich oder im geregelten Freiverkehr gehandelte Werte in einen Fonds aufgenommen werden dürfen. Nicht mehr als 5 Prozent – mit Genehmigung der Bankenaufsichtsbehörde 7,5 Prozent – des Fondsvermögens dürfen in Werten der gleichen Gesellschaft angelegt werden. Ferner besteht eine Beschränkung dahingehend, daß für alle von einer Investmentgesellschaft verwalteten Fonds nicht mehr als 5 Prozent des Kapitals einer Aktiengesellschaft erworben werden dürfen. Schließlich ist der Erwerb von Anteilen anderer Investmentfonds den deutschen Fonds verboten.