Zu den Menschen, deren Heimat sich durch ihre Sprache zu erkennen gibt, gehört Reinhold Rehs. Er spricht zwar nur mit halber Stimme, wenn auch mit der technischen Perfektion des forensischen Professionals: des ehemaligen Journalisten, späteren Rechtsanwalts und jetzigen Parlamentariers. In jedem Satz trägt mindestens eine Silbe jene unverwechselbare Einfärbung, die den Sprecher als einen Sohn Ostpreußens ausweist.

Der rüstige Mann, der – wäre er wie sein Vater Beamter geworden – im vorigen Jahr pensioniert worden wäre, ist Bundesvorsitzender der Landsmannschaft Ostpreußen, Vorstandsvorsitzender der Stadtgemeinschaft Königsberg, Vizepräsident des Bundes der Vertriebenen, Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Heimatvertriebene und seit einer Woche Vorsitzender des Vertriebenenausschusses der SPD. Der Parteivorstand wählte ihn zum Nachfolger Wenzel Jakschs.

"Muß ein Ostpreuße nicht mit einem besonderen Maß von Frustration an seine Heimat denken, weil die Aussichten, gerade in diesem Teil Europas die Grenzen im deutschen Sinne zu verändern, bis zur Aussichtslosigkeit ungünstig sind?"

"Ein Politiker, der nicht an seine Sache glaubt, kommt nie ans Ziel."

"Hat ein Politiker, der an die Sache der Vertriebenen glaubt, es in der SPD nicht notwendigerweise ziemlich schwer – wofür ja auch das Schicksal Wenzel Jakschs spricht, der von manchen seiner Parteifreunde zu Lebzeiten als romantischer Schwärmer betrachtet wurde?"

Rehs räumt ein, daß in einer großen Volkspartei verschiedene Kräftegruppierungen sich auseinanderzusetzen haben. Er bestreitet aber, daß die Sache der Vertriebenen in der SPD in eine Außenseiterposition geraten sei.