Nun ist also Victor Gollancz, der unruhige Feuerkopf, der große Verleger, der engagierte Sozialist, zur Ruhe gegangen. Immer hat es ihn umgetrieben, nie hat er sich mit der Welt, so wie sie gerade war, abgefunden. Er stritt für die Abschaffung der Todesstrafe, gegen den Faschismus in Spanien und den Nationalsozialismus in Deutschland; er gründete während des israelisch-arabischen Krieges eine jüdische Gesellschaft, deren Ziel es war, Samariterdienste für Araber zu leisten. Gleich nach dem Zusammenbruch Deutschlands wurde Victor Gollancz zum heimlichen Retter vieler Deutscher. Wenn die Alliierten jemand zu Unrecht verhaftet hatten, wenn irgendwo grobe Ungerechtigkeiten passiert waren, dann fuhr man zu V. G., und der einst so vehemente Kämpfer gegen die Nazis schrieb einen Brief an die Times oder veranlaßte eine Anfrage im Unterhaus. Er hatte ein großes Herz. Für ihn, den Sohn orthodoxer Juden, der selbst zum überzeugten Christen geworden war, ist die Liebe der stärkste Antrieb in seinem, bewegten Leben gewesen – die Liebe zu den Menschen, vor allem aber zu den Schwachen, Mühseligen und Beladenen. Dff.