Wenn keiner mehr Rat weiß, wendet man sich an die Deutsche Forschungsgemeinschaft

Von Nina Grunenberg

Es gibt kein Ministerium für deutsche Kultur (Kunst, Erziehung und Wissenschaft). Es gibt statt dessen viele Gremien, die den meisten allenfalls dem Namen nach bekannt sind. Wir haben daher Nina Grunenberg gebeten, diese Gremien zu beschreiben. Es erschienen Porträts der Kultusministerkonferenz (ZEIT Nr. 20/66), des Wissenschaftsrates (ZEIT Nr.27/66), der Westdeutschen Rektorenkonferenz (ZEIT Nr. 42/66); es sollen demnächst erscheinen Porträts des Stifterverbandes, der Stiftung Volkswagenwerk, der Thyssen-Stiftung, der Max-Planck-Gesellschaft und des Bundestags-Ausschusses für Wissenschaft, Kulturpolitik und Publizistik.

Ein Forstassessor aus Niedersachsen, in Göttingen promoviert, jetzt in Landesdiensten, möchte den deutschen Wald nicht im grünen Rock hegen und pflegen, sondern durch wissenschaftliche Forschungsarbeit. Eine seltene Chance bietet sich, als ihn ein Gelehrten-Team aus den Vereinigten Staaten einlädt, an einer Untersuchung "Über die Auswirkung der Astigkeit auf die Qualität, die Verwertung und Verwendung von Nadelholz am Beispiel der pinus teada" teilzunehmen, und zwar ein Jahr lang.

In Deutschland hat der Forstwissenschaftler ein sicheres Einkommen, außerdem eine Frau und zwei Kinder. Die Amerikaner bieten ihm. nur, die Mitarbeit an ihrem Forschungsprojekt, nicht aber den Lebensunterhalt für diese Zeit.

Der Forstassessor wendet sich, unterstützt von seinem ehemaligen Institutsdirektor, an die "Deutsche Forschungsgemeinschaft" in Bad Godesberg: Er beantragt ein Forschungsstipendium für ein Jahr, außerdem einen Zuschuß von 6000 Mark für die Überfahrt in die Vereinigten Staaten, mitsamt Familie und Pkw. Er legt ein Begleitschreiben der Amerikaner bei und zwei wissenschaftliche Arbeiten, die von ihm veröffentlicht wurden.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft legt seinen Antrag zwei Gutachtern vor, die das Projekt unabhängig voneinander prüfen und jeder zu dem Ergebnis kommen, daß dem Antrag zuzustimmen sei, weil er nicht, nur dem Forstasssessor zum Vorteil gereiche, sondern auch der von ihm vertretenen Disziplin. Ihm wird ein Forschungsstipendium von 27 000 Mark bewilligt: Davon sind 5400 Mark für die Überfahrt bestimmt und monatlich 1800 Mark für den Lebensunterhalt. Die Überfahrt der Familienmitglieder kann nicht finanziert werden, dem Assessor wird aber eine Studienstiftung genannt, die für solche Zwecke Familienzuschüsse gibt.