Als der Bundestagsabgeordnete Karl Schiller nach seiner Ernennung zum Bundeswirtschaftsminister mit seinem Vorgänger die Amtsübergabe besprach, nannte ihm Kurt Schmücker auch jene Mitarbeiter, die er gern in sein neues Ressort, das Schatzministerium, mitgenommen hätte. Von diesem Vorhaben schien Schiller gar nicht erbaut zu sein. Als auch der Name Schöllhorn fiel, lehnte Schiller ab: "Das ist ein ausgezeichneter Beamter, den ich gern als engen Mitarbeiter hätte."

Er hat ihn bekommen. Am 26. Januar ernannte der Bundespräsident Dr. Johann Baptist Schöllhorn zum Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft.

Bis zu diesem Tage hatte Schöllhorn drei Jahre die Unterabteilung "Grundsatzfragen der Wirtschaftspolitik und der internationalen Zusammenarbeit" geleitet. Als er im Dezember 1963 diese Aufgabe übernahm, begann für ihn ein Aufstieg auf der Stufenleiter für Staatsdiener, von dem Beamte sonst nur träumen können: vom Regierungsdirektor über den Ministerialrat, den Ministerialdirigenten und, unter Überspringung des Ministerialdirektors, zum Staatssekretär und damit zum höchsten Dienstrang, den ein Beamter erklimmen kann.

Was ihm zu diesem Aufstieg verhalf, war alles andere als ein Karrieredenken. Es war die Leidenschaft für das Erfassen und Beurteilen der wirtschaftlichen Entwicklung. So wie andere Menschen bei Pferderennen Wetten abschließen oder im Lotto tippen und gespannt darauf warten, ob sie die richtigen Daten gesetzt haben, so verfolgt Schöllhorn mit Anteilnahme die Konjunkturdaten. Er bekennt selbst, daß ihn die Zahlen über Auftragseingänge, Produktion, Beschäftigung und all die anderen wichtigen Angaben für die Beurteilung der wirtschaftlichen Lage mehr noch erregen als in den Jahren, als er im Münchener Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung das Rüstzeug für sein heutiges Amt sammelte.

Nach fünfjähriger russischer Kriegsgefangenschaft studierte er in Regensburg und später in München Volkswirtschaftslehre. Die Universitätsstadt an der Donau lag seinem Geburtsort am nächsten. Er stammt aus Bischofsmais im Bayerischen Wald. Das Studium in Bayerns Hauptstadt verhalf ihm nicht nur zum Dr. oec. publ. Im Seminar lernte er auch seine Frau Elisabeth kennen, die dort in die Geheimnisse der Betriebswirtschaft eindrang. Heute lebt Familie Schöllhorn – sie ist um die Kinder Eva Maria und Hans gewachsen – im eigenen Reihenhaus in Röttgen bei Bonn.

Im Arbeitszimmer des neuen Staatssekretärs fallen dem Besucher sofort die drei Dutzend Oldtimer ins Auge, die er dort aufgestellt hat und liebevoll behütet – auch gegenüber dem eigenen Sohn. Sie erinnern ihn an die Jahre vor dem Kriege, in denen er seinem Vater, dem Oberwerkmeister der Post, zuschauen und gelegentlich helfen konnte.

Viele freie Stunden bleiben dem jungen Staatssekretär – er wird am 16. März fünfundvierzig – nicht mehr. Als enger Mitarbeiter seines Vorgängers Dr. Wolfram Langer weiß er, welche Bürde ihm sein neues Amt auferlegt. Mehr als zehn Jahre – seit 1956 – arbeitete Schöllhorn in der Grundsatzabteilung des Ministeriums. Er kam dorthin auf eine Zeitungsanzeige. Damals leitete Professor Müller-Armack diese Abteilung, die für die Gestaltung der Wirtschaftspolitik von allen acht die wichtigste ist.