Der Autor, Dr. John D. Thomas, lebt als Arzt in Heidelberg.

Ich war kaum zwölf Jahre alt, als auf der Insel St. John, dem Ferienparadies in Westindien, ein weißer Amerikaner mir meine Sandburg zertrampelte und mich unter Schimpfen und Fluchen vom Strand jagte. Ich hatte weder ihm noch jemand anderem etwas zuleide getan. Ich arbeitete hart, und zwar mußte ich Erde ausschachten, für die Fundamente eines Hotelneubaus, für den Komfort von Amerikanern – von denen mich einer vom Strand verjagte, weil ihm meine Hautfarbe nicht paßte.

Die Weißen und auch das Meer waren mir verboten. Nicht einmal Taschengeld gab man mir, allerdings etwas zu essen; aber schlafen konnte ich nicht, weil in unserem Quartier die Mücken waren, weil es heiß war und weil es stank. Schließlich nahm mich ein Gast unentgeltlich mit seiner Jacht zur Nachbarinsel mit, wo ich in einem anderen Hotel für Schlafen und Essen arbeiten durfte.

Zwanzig Jahre sind vergangen, aber die Hoffnung "Negroes shall inherit the earth" ist ferner denn je. In New York, wenn ich mich telephonisch um eine Arbeit bewarb und aufgefordert wurde, mich vorzustellen, war der Arbeitgeber jedesmal erschrocken. In einem Krankenhaus, wo ich als Instrumente-Pfleger im Operationssaal arbeitete, lehnte mein Mitarbeiter es ab, den gleichen grünen Kittel zu tragen wie ich. Er mußte einen weißen haben.

Landgang verboten

Als amerikanischer Soldat durfte ich die Amüsierparks in Maryland nicht betreten, ja, in South-Carolina nicht einmal ein Armeelokal. In einem Autobus zwang mich der Fahrer mit einer Pistole, auf den hintersten Platz zu gehen.

Es war in Japan, wo mich ein Freund, ein Weißer, einlud, mit ihm auszugehen; nicht einmal in ein Geisha-Haus konnten wir zusammen gehen. Am Ende des Koreakrieges sollte unser Lazarettschiff in Australien Ferien machen. Farbige dürfen das Land nicht betreten, es sei denn, sie sind Künstler. Wir mußten wegen zehn Unerwünschter in Hongkong bleiben.