Von Karl Hermann Flach

Das Presse-Verlagswesen befindet sich in einem fortschreitenden Konzentrationsprozeß. Der beschränkt sich nicht auf das übermächtige Phänomen des Sprin- – ger-Konzerns, sondern greift weit darüber hinaus. Dagegen hilft auch kaum der gute Vorsatz des Deutschen Presserats, „die strukturelle Entwicklung der deutschen Presse zu beobachten und freiheitsgefährdende Konzern- und Monopolbildungen abzuwehren“. Nun wehre man einmal einer Tendenz, die von der technischen Entwicklung bestimmt ist und harter ökonomischer Gesetzmäßigkeit folgt.

Der Präsident des Bundesverbandes deutscher Zeitungsverleger sieht es so: „Eine Reihe neuer Kostensteigerungen erwartet uns. Die Erhöhung der Zeitungsgebühren liegt bereits fest... Die Mehrwertsteuer kommt auf uns zu; wir können nicht übersehen, in welchem Umfang sie für uns eine Mehrbelastung bedeutet. Die Löhne und Gehälter sind gestiegen, übertreffen in den meisten Fällen die tariflichen Festlegungen. Die Technik ist aufwendiger geworden und wird viele Verlage vor schwierige Überlegungen stellen. Die Bezugspreise unserer Zeitungen können nicht wesentlich erhöht werden, und die Anzeigenpreise sind abhängig von Auflage und Kaufkraft.“

Wir werden also in Zukunft noch mehr als bisher rechnen und überlegen müssen. Das Drängen nach gemeinsamen Einrichtungen wird sich verstärken. Die Redaktionsgemeinschaften werden zunehmen, und es werden sich immer weniger Zeitungen eigene Korrespondenten im In- und Ausland halten können. Auch größere Verlage werden sich bald mit dem Gedanken gemeinsam betriebener Technik – wie Rotationsmaschinen oder Computeranlagen – befreunden müssen. Diese Zusammenarbeit auf breiter Ebene muß nicht Konzentration bedeuten, trägt aber ohne Zweifel eine Neigung zur Konzentration in sich.

Etwa 24 Millionen Zeitungsexemplare werden jeden Tag in der Bundesrepublik von den Rotationsmaschinen ausgedruckt. Etwa 22,7 Millionen davon werden verkauft. Die Bundesbürger gelten als lesehungrig und lesefreudig wie nie zuvor. Trotz 17 Millionen Rundfunk- und 12 Millionen Fernsehgeräten lesen heute 85 Prozent der erwachsenen Bundesdeutschen, mehr als 35 Millionen Menschen, regelmäßig eine Tageszeitung. Die Tagespresse verteilt sich auf rund 1000 verschiedene Zeitungsausgaben. Doch daraus sollte man nicht falsche Schlüsse ziehen. In Wirklichkeit haben wir nicht mehr 1500, sondern nur noch knapp 180 selbständige Redaktionen. In den übrigen etwa 1320 Blättern steht das gleiche, nur der Lokalteil wird ausgetauscht. Etwa 80 politische Redaktionen stellen rund 85 Prozent der täglichen Gesamtauflage her.

Noch spricht man von 570 Verlagen als Herausgeber oder Zeitungsgruppen, die, wie gesagt, in etwa 180 Varianten auftreten? 1954 waren es noch 225 Varianten. Die Fusion schreitet unablässig fort. Hauptausgabe, Nebenausgabe, Lokalausgabe, Kopfblatt, Mantel, Wechselseite – die publizistische Konzentration hat viele Formen, sie arbeitet mit vielen Attrappen. In ihren Verflechtungen und Abhängigkeiten kennen sich nur noch Eingeweihte aus. Erleichtert dadurch, daß es in der Bundesrepublik keine offizielle Pressestatistik gibt, wird die wahre Struktur verschleiert, verschwiegen, verharmlost.

Eine besondere Stellung nehmen Berlin und Hamburg ein, wo der Springer-Konzern über eine beherrschende Position verfügt.