So gesehen, spiegelt sich der Konzentrationsprozeß wie folgt:

Eine interessante Entwicklung zeigt sich bei der Lokalpresse, die sich mit der Standortpresse GmbH in Bonn eine Dachorganisation gegeben hat. Ihr Aneinanderrücken geht von der Erwägung aus, daß man ein Drittel der Selbständigkeit aufgeben muß, um zwei Drittel zu behalten. So gesehen stellen die Zusammenschlüsse der Standortpresse eher ein Instrument der Mittelstandspolitik dar, das gegenüber dem Sog der Großen und ihrer Konzerne die Schwachen stärkt, ein verhältnismäßig reichhaltiges Zeitungsbild erhält und vor allem dem Einbruch der Regionalpresse in die Domänen der Heimatzeitung zu widerstehen versucht.

Auch mit dem Namen Konzentration, nämlich „Konzentration GmbH“, nennt sich die „Interessengemeinschaft von Verlags- und Wirtschaftsunternehmen“, die der SPD angehören oder nahestehen. Sie umfaßt 26 Zeitungsverlage mit 30 Druckereien, 5 Buch- und Zeitschriftenverlage und einige branchenähnliche Unternehmungen. In der Weimarer Republik gehörten der 1925 zum erstenmal gegründeten „Konzentration“ sämtliche SPD-Zeitungen. Heute sind die Eigentumsformen der angeschlossenen Verlage verschieden, und die Dachgesellschaft dient vorwiegend der Beratung auf dem technischen Sektor, beim Maschinenkauf, stellt Betriebskostenvergleiche an und fungiert darüber hinaus als Einkaufszentrale für Zeitungspapier und Bürobedarf.

Neben dem an die Kasse des Parteivorstands abzuführenden Werbebeitrag profitiert die SPD davon, daß die Unternehmen der „Konzentration GmbH“ bei Wahlkämpfen Druckaufträge zum Selbstkostenpreis übernehmen. Dieser Interessengemeinschaft sind so bedeutende Regional-Leitungen wie die „Neue Ruhrzeitüng“, die Dortmunder „Westfälische Rundschau“, die Bielefelder „Freie Presse“, die „Hannoversche Presse“ und der Berliner „Telegraf“ angeschlossen. Sie umfaßt mit der „Hamburger Morgenpost“ auch ein größeres Boulevardblatt.

Eine nach außen kaum wahrnehmbare Bedeutung hat die Neutra GmbH in Düsseldorf gewonnen, welche wirtschaftlich gefährdete Zeitungen betreut, die nicht-sozialdemokratischen Bundestagsparteien nahestehen. Da die FDP kaum eine ihr nahestehende Presse hat, dürfte es sich um Zeitungen handeln, die den Unionsparteien nahestehen. Von überragender Bedeutung ist der Springer-Konzern, dessen Geschichte Stoff für ein ganzes Buch darstellt. Doch das muß noch geschrieben werden.

Innerhalb von zwanzig Jahren hat Springer sich aus kleinen Anfängen, zum Chef des größten kontinental-europäischen Pressekonzerns entwickelt. Neben Büchern, Fachzeitschriften und Schnittmustern verlegt dieses Unternehmen vor allem Zeitungen und Zeitschriften, als Tageszeitungen „Bild“, „Hamburger Abendblatt“, „Die Welt“ – alle Hamburg –, „Der Mittag“ in Düsseldorf und in Berlin die „BZ“ und die „Berliner Morgenpost“. Sie umfassen eine Gesamtauflage von etwa 6 Millionen und eine verkaufte Auflage von rund 5,2 Millionen Exemplaren. Dazu kommen die Sonntagszeitungen „Bild am Sonntag“ und „Welt am Sonntag“ mit einer Gesamtdruckauflage von etwa 2,8 Millionen (verkaufte Auflage rund 2,5 Millionen).

Das ist ein Anteil von 39 Prozent der Auflage aller Tageszeitungen und 90 Prozent der Auflage aller Sonntagszeitungen. Mißt man Springers Anteil an den elf überregionalen Tageszeitungen und Regionalzeitungen mit überregionaler Bedeutung, so ergibt sich ein Anteil von über 80 Prozent, der allerdings durch die dominierende Stellung des Boulevardblattes „Bild“ erreicht wird.