Von Wolfram Siebeck

Es war einmal eine Sing-Out-Gruppe, die nannte sich "Die sieben Geislein", weil sie siebenmal so zickig waren wie sieben Beatbands. Sie wohnten einsam am Waldesrand, damit es keiner hörte, wenn sie übten. Eines Tages sagte der Manager zu ihnen: "Ich gehe jetzt nach Bonn, Subventionen – holen. Seid auf eurer Hut vor dem bösen Intellektuellen; wenn ihr ihn ins Haus laßt, ist es um euch geschehen," Die sieben Geislein versprachen, schön aufzupassen.

Es dauerte nicht lange, da klopfte jemand an die Tür und sagte: "Ihr lieben Kinder, macht mir auf! Ich bin der Protest-Muffel!" Doch an der intellektuellen Formulierung merkten sie gleich, wer da draußen stand; und sie riefen: "Wir machen nicht auf, denn du bist der böse Intellektuelle!"

Da ging der Eierkopf zurück in die Stadt, kaufte eine Platte von Freddy und kam mit ihr zurück zum Haus der sieben Geislein. Er spielte sie ihnen vor. Sie wollten ihn schon hereinlassen, aber dann sahen sie seine langen Haare und riefen: "Du bist der böse Intellektuelle, wir lassen dich nicht herein!"

Da ließ der Langhaarige sich die Haare schneiden, wusch und schminkte sich, nahm ein Desodorant und bat wieder um Einlaß.

"Zeig uns zuerst dein neues, positives Lebensgefühl!" riefen die Geislein, und der Intellektuelle, zeigte ihnen seine rosa Bäckchen. Da öffneten sie die Tür, weil sie glaubten, er sei der Protest-Muffel. Aber kaum war er in ihrer Stube, stimmte er ein rauhes Anti-Vietnam-Protestlied an und verführte sie alle.

Nicht lange danach kam der Manager zurück. Ach, was mußte er da erblicken! Die sieben Geislein hatten sich die Haare wachsen lassen, spielten Joan-Baez-Platten und lasen Gedichte von Enzensberger.