Zum zweiten Male in diesem Jahr hat die Deutsche Bundesbank den Diskont um ein halbes Prozent gesenkt – von 4,5 auf 4 Prozent. Außerdem wurden die Mindestreserven um 10 Prozent gesenkt; 1,6 Milliarden Mark sind dadurch freigegeben worden. Diese Erleichterungen passen in die auf Wiederbelebung und Auftrieb der Konjunktur gerichtete Wirtschaftspolitik der neuen Regierung.

Seit Verkündung von Schillers Wirtschaftsprogramm war es klar, daß zur Verwirklichung des Konzeptes die Mithilfe der Bundesbank notwendig war; mit anderen Worten, die Restriktionspolitik der Notenbank mußte fallen. Dennoch hat sich die Bundesbank gewehrt. Noch im Januar schrieb die Bundesbank, man müsse vorsichtig vorgehen, um nicht in der zweiten Jahreshälfte erneut eine inflationäre Entwicklung zu indizieren. Sie wollte also nur behutsam und sehr langsam den Fuß vom Bremspedal nehmen, obwohl das Vehikel Wirtschaft noch lange nicht wieder so recht in Fahrt gekommen ist.

Aber offensichtlich hat sich der energische und dynamische Wirtschaftsminister Schiller im Zentralbankrat gegenüber den Zauderern durchgesetzt. Denn es ist sicher noch Zeit zu bremsen, wenn die Geschwindigkeit zu hoch wird. Jetzt schon wieder zu bremsen, hieße, die Fahrt zu stoppen, noch bevor sie begonnen hat. mh.