In England und Neuseeland leben seit nicht allzu langer Zeit zahlreiche Männer und Frauen, die an Stelle der eigenen Aortenklappe im Herzen die eines fremden, verstorbenen Menschen tragen. Sie sind der lebende Beweis für einen erstaunlichen medizinischen Erfolg, den die ärztliche Wissenschaft lange Zeit für unmöglich gehalten hat – die dauerhafte Überpflanzung der Herzklappen von einem toten Spender auf einen Kranken.

Normalerweise stößt der Organismus tierische oder menschliche Zellen, Gewebe oder Organe, die ihm eingepflanzt werden, als "Fremdkörper" ab. Der Körper entwickelt gegen die meisten Transplantate eine Immunreaktion, die sich zwar chemotherapeutisch unterdrücken läßt, was aber in der Regel unangenehme Nebenwirkungen zeitigt.

Angesichts der Abwehrstellung, die der Körper gegen fremde Hautstücke oder Nieren zum Beispiel einnimmt, wagten es die Herzspezialisten erst gar nicht, ihren lebensgefährdeten Patienten mit mißgebildeten oder erkrankten Herzklappen heile "Ventile" aus Leichnamen einzusetzen. Sie fürchteten, auch am Herzen würden Transplantate nicht anwachsen, sondern vernichtet werden und so mit Sicherheit den Tod des Operierten herbeiführen.

Solche Bedenken brauchten die Chirurgen bei künstlichen Herzklappen aus Metall oder Kunststoff nicht zu hegen. Dafür brachten die Klappen-Prothesen andere Schwierigkeiten mit sich. Sie lassen sich mitunter nicht sicher genug im Herzen verankern. Zudem neigen sie dazu, Blutgerinnsel zu bilden. Als idealer Ersatz gelten daher die synthetischen Herzklappen nicht.

Erstmals in den fünfziger Jahren unternahmen dann schließlich einige Forscher doch den Versuch der Transplantation von Herzklappen, zunächst an Tieren und später auch an Menschen. Inzwischen sind an einer neuseeländischen Klinik mehr als 200 Patienten mit der Aortenklappe eines Verstorbenen ausgestattet worden. In London hat der Facharzt Donald Ross bislang allein 215 solcher Klappen übertragen.

Wider Erwarten aber blieb in allen Fällen die Abwehrreaktion des Organismus gegen den "Fremdkörper" im Herzen aus. Was aber noch erstaunlicher ist und die kühnsten Erwartungen der Wissenschaftler übertrifft; Spätestens ein Jahr nach der Überpflanzung hat sich an der Stelle der "fremden" Klappe eine körpereigene Herzklappe gebildet. Nachuntersuchungen haben überdies ergeben, daß noch drei Jahre nach der Operation achtzig Prozent der Klappen einwandfrei arbeiteten.

In einem Gespräch gab Privatdozent Dr. Hans Helmut Hirsch, der Leiter der herzchirurgischen Abteilung der Chirurgischen Universitätsklinik Frankfurt am Main, eine Erklärung für dieses Phänomen, die er in Küize auch in einer Fachzeitschrift publizieren will; Dr. Hirsch arbeitet, vorwiegend auf Grund von Tierversuchen, an der wissenschaftlichen Erforschung der Vorgänge bei der Transplantation von Herzklappen.