• "Horst Egon Kalinowski" (Kunsthalle Mannheim): Eine Konstante in der Arbeit dieses Künstlers ist die Collage. Der Umgang mit dem Material führte ihn dazu, sich Mitte der fünfziger Jahre von einer geometrischen Malerei zu lösen, Bildobjekte zu realisieren. Ihnen gibt er ab 1958 den Titel "Bildschreine". Die "Caissons", mit (zumeist gebrauchtem, vorgefundenem) Leder bespannte Holzkästen, die er zwei Jahre darauf entwickelt, demonstrieren zum ersten Male nachdrücklich, wie sich Kalinowski aus einer bildnerischen Tendenz, aus jeder Art Stilvorlage löst, um die Konzeption zu individualisieren. Kalinowski selbst kennzeichnet sein Vorgehen als Deponierung eines Stücks erlebter Erfahrung, eine Einsargung privater Erlebnisse. Daher das Sperrige seiner Arbeiten. Der Betrachter, der den in Mannheim in einem Raum zusammengestellten 14 Caissons und den sechs Stelen begegnet, trifft auf eine hermetisch abgekapselte Welt. Ein Zugang über das verwendete Material (vielschichtig bearbeitete alte Hölzer, Eisenteile usw.), wie im Falle mancher Pop-Plastiken, ist nicht gegeben, da das Material ganz dem Konzept beziehungsweise der Thematik der Arbeiten untergeordnet ist. In einigen Fällen hilft der Titel weiter: Beziehungen auf mythologische Figuren, die aus Kalinowskis Überzeugung resultieren, daß "jede individuelle Lebenserfahrung in den großen Mythen ihren immergültigen Archetyp findet".

Ich spreche von der Schwierigkeit, diesem Werk zu begegnen, nicht, um den Betrachter von einer Bekanntschaft mit ihm abzuschrecken oder das Werk aus der Diskussion oder Analyse zu entlassen. Die Schwierigkeit ist vielmehr symptomatisch für ein Werk, das so auf persönliche Erfahrung pocht; beim Hersteller wie beim späteren Betrachter. Kalinowskis Caissons und Stelen scheint die Betrachtungsform der Meditation angemessen. Die Häufung der Arbeiten in einem Raum, wie sie in Mannheim vorgenommen wurde, halte ich deshalb für Unzureichend. (Die Ausstellung dauert in Mannheim noch bis zum 26. Februar, geht anschließend ins Lehmbruck-Museum nach Duisburg.) Jürgen Claus

  • "Sorel Etrog" (Berlin, Galerie Springer): Auf der letzten Biennale, wo er im kanadischen Pavillon debütierte, war Sorel Etrog als einer der ernst zu nehmenden und entschieden eigenwilligen Bildhauer aufgefallen. In der Galerie Springer läuft jetzt, bis Ende Februar, seine erste Ausstellung in Deutschland. Seine Bronzefiguren schrauben sich in breiten Bändern, Scheiben und Ringen in die Höhe, die Teile sind ineinander verklammert, trotz komplizierter Konstruktion entsteht der Eindruck von Grazie, Leichtigkeit und Eleganz: "Two Dancers", "Ballerina". "Pulcinella I. und II". Bei anderen, mythischen oder mythologischen, religiösen Themen (Madonna, Moses, Medea) wird der beabsichtigte monumentale Effekt durch die geschmeidige Glätte und eine allzu üppige Detailfreudigkeit beeinträchtigt. Am besten sind die beiden Fassungen der "Source". Etrog ist 1933 in Rumänien geboren und 1950 nach Israel emigriert. Er hat in Tel Aviv und New York studiert, lebt in Toronto und hat ein zweites Atelier in Florenz.

Gottfried Sello