Ein geharnischter Angriff der "Prawda"

Mao Tse-tungs "Große Proletarische Kulturrevolution" verfolgt das erklärte Ziel, nach dem Vorbild der Pariser Kommune von 1871 eine kommunistische Demokratie zu schaffen, die den bisherigen Partei- und Staatsapparat und das Wirtschaftsmanagement durch "revolutionäre Komitees" ersetzt.

In die ideologische Schlacht, die vor allem mit Reden, Umzügen und Wandzeitungen ausgetragen wird, hat nun auch offen die Sowjetunion eingegriffen, indem sie für die Gegner Maos Partei nahm. Der Grad der Spannung zwischen Peking und Moskau war vorige Woche an einem Artikel in der "Prawda" abzulesen:

"Die Tatsachen bezeugen, daß diejenigen, die heute die Politik Chinas lenken, sich das Ziel stellen, nicht nur das chinesische Volk im Geiste der Feindschaft gegen die UdSSR zu erziehen, sondern auch die sowjetischchinesischen Beziehungen bis zum äußersten zuzuspitzen und sie letzten Endes bis zum völligen Abbruch zu führen. Da sie jedoch die Verantwortung für die Folgen eines solchen Schrittes scheuen, können sie sich nicht entschließen, direkt vorzugehen, sondern versuchen, die Sowjetunion zum Abbruch zu provozieren ...

... die chinesische Führung mußte infolge der von Mao Tse-tung organisierten wirtschaftlichen Abenteuer im wesentlichen auf die Pläne der wirtschaftlichen Entwicklung Chinas, auf den Aufbau der materiell-technischen-Grundlage des Sozialismus verzichten und sich offen vom Kurs der Hebung des Lebensstandards der Werktätigen lossagen...

Unter diesen Umständen fiel den Pekinger Führern nichts Besseres ein, als zu versuchen, die Not zur Tugend zu machen und den wirtschaftlichen Aufbau, die Sorge um die Verbesserung der Lebensbedingungen des Volkes zu einer überhaupt ‚antisozialistischen‘ und ,bürgerlichen’ Sache zu erklären ..., indem sie eine neue Salve von Zitaten Mao Tse-tungs gegen die marxistisch-leninistische Wissenschaft abfeuerten: ‚Hohe Ergebnisse in der Produktion und niedriger Lebensstandard’, ‚Armut ist gut‘. Schrecklich ist der Gedanke an die Zeit, da alle Menschen reich sein werden‘ usw.

... je besser das Leben der Sowjetmenschen ist, desto mehr wächst die Furcht Mao Tse-tungs und seiner Gruppe um das Schicksal ihrer besonderen Linie, desto mächtiger wird die Opposition gegen diese Linie in China selbst.

... Mao Tse-tungs Gruppe ... bereitet ganz offensichtlich die Volksrepublik China auf weitere abenteuerliche Aktionen sowohl auf dem Gebiet der Innen- als auch auf dem Gebiet der Außenpolitik vor, wobei auch neue Provokationen gegen die Sowjetunion nicht ausgeschlossen sind."