In der Sudetendeutschen Landsmannschaft hat der Witiko-Bund die Macht erobert. Sein Mitglied, der Wirtschaftsjurist Egon Schwarz, wurde auf Drängen des Bundes als Nachfolger des tödlich verunglückten Wenzel Jaksch zum neuen Präsidenten der Landsmannschaft gewählt. Vizepräsident wurde Sepp Schwarz. Dagegen, daß nunmehr kein Sozialdemokrat. im Führungsgremium der Sudentendeutschen ist, hat der Vorsitzende des SPD-Vertriebenenrates, Almar Reitzner, in scharfer Form protestiert. Die weitere Mitarbeit von Sozialdemokraten in der Landsmannschaft, so kündigte er an, sei in Frage gestellt.

Der Witiko-Bund rangiert unter den politisch orientierten sudetendeutschen Gruppen rechtsaußen. Ihm gehören ehemalige Henlein-Leute und Nationalsozialisten an. Ihr Leitbild ist die Stiftersche Romanfigur Witiko, der nach Osten reitet. In einer Verlautbarung des Bundes heißt es dazu: "Er ist dem Ganzen verpflichtet. Das Ganze, das ist für ihn das Volk, das Reich." Witiko-Sprecher warnten regelmäßig vor dem "größten Ausverkauf unseres Vaterlandes", vor einem "Über-Versailles". Sie behaupteten, wir lebten in einem "nationalen Notstand". Sie erklärten, Kennedys Berater stammten aus der Zeit Roosevelts und Morgenthaus; sie forderten die Bundesregierung auf, "jedwede Verzicht-Politik als Landesverrat zu brandmarken". Der Witiko-Bund stehe "im Dienste aller jener Bestrebungen in allen Völkern, die das Göttliche, Edle, und Schöne, das Wahre und das Gerechte nicht jenen Kräften ausliefern wollen, die die Welt aller höheren Werte entkleiden und sie nur als Entwicklung und Machtkampf materieller Kräfte sehen."

Die sudetendeutschen Sozialdemokraten, die bislang dem Eindringen solcher Phraseologie aus der Mottenkiste des ideologischen Rechtsradikalismus Einhalt gebieten konnten, sorgen sich um die Zukunft der Landsmannschaft. Aber auch der Bundesregierung, die sich um die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu Prag bemüht und zu diesem Zweck das Münchner Abkommen für ungültig erklärte, wird der nunmehr institutionalisierte Rechtsdrall in der sudetendeutschen Landsmannschaft schwer zu schaffen machen.

D. St.