Von Rolf Zundel

Bonn, im Februar

Die Bundesrepublik ist zwar Mitglied vieler internationaler Organisationen, aber ihr Einfluß in diesen Gremien entspricht oft nicht dem politischen Gewicht und auch nicht den finanziellen Leistungen Bonns. Dafür mag es manche Gründe geben, einer der wichtigsten ist zweifellos, daß die Bundesrepublik nicht genug geeignete Leute für die internationalen Arbeitsgebiete zur Verfügung stellen kann. Sie ist an insgesamt 129 internationalen Organisationen finanziell im Durchschnitt zu 14 Prozent beteiligt, ihr personeller Anteil aber beläuft sich auf weniger als 3 Prozent. Eine große Ausnahme: die EWG; hier ist die Bundesrepublik personell und finanziell mit etwa 27 Prozent beteiligt.

Daß die Bundesrepublik sowohl in der Zahl ihrer Vertreter in den internationalen Organisationen als auch zum Teil in der Qualität nicht ganz mithalten kann, hat verschiedene Ursachen. Die langen Jahre teils erzwungener, teils selbstgewählter Enthaltsamkeit – im Grunde hatte Deutschland ja seit 1914 nicht mehr im "normalen Umfang" am internationalen Leben teilgenommen – wirken nach. Als die Bundesrepublik langsam wieder in die internationale Arbeiteingefügt wurde, konnten manche deutschen Behörden sich nicht entschließen, ihre besten Kräfte für die neuen Aufgaben freizugeben. Manchmal wurden gerade die abgeschoben, die man gern los sein wollte. Darunter waren gelegentlich brillante Köpfe, die sich daheim nicht in den Routinetrott zu schicken vermochten, aber diese waren doch wohl die Ausnahme.

Entscheidender war, daß die deutsche Verwaltung auf die neuen Aufgaben schlecht gerüstet war. Ausbildung und Arbeitsstil machten es den deutschen Beamten schwer, den Übergang zur Arbeit auf internationaler Ebene zu finden. Gemessen etwa an den französischen Vertretern, die in den grandes écoles nicht so sehr auf spezielle Fachtüchtigkeit, sondern auf Verwaltungsführung gedrillt werden, schnitten sie manches Mal nicht gut ab. Denn heute werden Leute gebraucht, die über die Grenzen ihres Fachs hinaussehen und die verschiedensten Probleme der Verwaltungsführung meistern können.

Um hier Abhilfe zu schaffen, hat der Bund jetzt in Zusammenarbeit mit den Ländern und den kommunalen Spitzenverbänden Lehrgänge für Verwaltungsführung eingerichtet, in denen junge Beamte auf internationale Aufgaben vorbereitet werden. Im letzten Jahr wurde der erste Kurs mit 15 Teilnehmern durchgeführt; der zweite Kurs hat im Januar dieses Jahres begonnen. Die Teilnehmer des neuen Lehrgangs sind zu zwei Dritteln Juristen, zu einem Drittel Volkswirte. (Beim ersten Lehrgang waren es fast nur Juristen.) Diese Mischung scheint Programm zu sein.

Diese Probleme der modernen Verwaltungsführung treten übrigens keineswegs nur im staatlichen Bereich auf. In der Wirtschaft geht die Entwicklung in der gleichen Richtung. Auch dort setzt sich bei der Unternehmensleitung immer mehr das Prinzip des "scientific management" durch. Für den neuen Typ des leitenden Angestellten genügt es also nicht mehr, Fachmann zu sein, er muß eine breitere Skala beherrschen und im großen Rahmen zu planen und zu verwalten verstehen. Mit anderen Worten, im wirtschaftlichen und im staatlichen Bereich beginnen sich die Schwierigkeiten der Verwaltungsführung immer mehr zu ähneln.