Als die Esso AG im März vergangenen Jahres ihren Tankstellenpartnern erlaubte, einen Rabatt von 1,5 Pfennig je Liter Benzin zu gewähren, standen die übrigen Mineralölkonzerne Gewehr bei Fuß. Sie verharrten ziemlich lange in dieser Position der Untätigkeit – erst in diesen Tagen folgten andere Unternehmen dem Beispiel der Esso.

Es ist jedoch höchst zweifelhaft, ob die Rabattgewährung den Nachzüglern Vorteile bietet – wie sie die Esso-Partner ohne Zweifel gehabt haben. Wenn man nämlich davon ausgeht, daß zwei Drittel der ausgegebenen Rabattmarken eingelöst werden, dann bedeutet der Rabatt eine Einbuße von einem Pfennig je Liter. Ein Pächter, der für jeden verkauften Liter fünf Pfennig Provision erhält, muß seinen Umsatz also um 25 Prozent steigern, um wieder die gleiche Provisionseinnahme zu erzielen.

Den Esso-Tankstellen ist das weitgehend gelungen – aber doch wohl nur, weil sie allein aufweiter Flur waren. Wenn jetzt in den Zentren des Wettbewerbs alleTankstellen den gleichen Rabatt geben, dann kann niemand mehr auf Kosten seiner Konkurrenten in großem Stile neue Kunden gewinnen.

So fürchtenviele Tankstelleninhaber, daß sie gerade ihren alten Besitzstand halten werden. Der Preis dafür ist hoch – aber vielenTankstellen bleibt keine andere Wahl, wenn sie nicht noch mehr Umsatz einbüßen wollen. Und so macht in der Branche das Wortvon der "Provisionskürzung auf kaltem Wege" die Runde. hgk