Nur ein winziger Schritt genüge, um den Frieden in Vietnam herbeizuführen, behauptete Premierminister Wilson im Unterhaus. Er berief sich auf die jüngsten Erfahrungen bei seiner Friedensvermittlung zwischen Kremlchef Kossygin und Präsident Johnson.

Wie nachträglich bekannt wurde, hatte Kossygin von London aus ein amerikanisches Angebot an Hanoi übermittelt: Washington war bereit, seine Luftangriffe einzustellen, wenn sich Nordvietnam verpflichte oder auch nur verspreche, die Lieferungen von Waffen und Munition nach Südvietnam und die Entsendung neuer Truppen zu stoppen. Kossygin hatte klargestellt, daß Lebensmittelversorgung und Fernmeldeverbindungen der nordvietnamesischen Einheiten in Südvietnam nicht unterbrochen werden müßten. Obwohl er stundenlang auf eine Antwort wartete, schwieg Hanoi eisig.

Einige Experten halten denen, die sich über diese Reaktion Hanois enttäuscht zeigten, das Argument entgegen, daß Amerika für den Stopp der Luftoffensive einen zu hohen Preis verlangt habe. Ho Tschi Minh hätte nämlich seine etwa 50 000 Soldaten in Südvietnam einem ungewissen Schicksal überlassen müssen, während die Amerikaner auf die Luftoffensive zur Not verzichten konnten. Verteidigungsminister McNamara bezweifelte nämlich vor einem Kongreßausschuß die Wirksamkeit dieser Kriegführung.

Jüngste Äußerungen des Ministers bestätigten wieder einmal, daß er eher zu den "Tauben" als zu den "Falken" in der Umgebung Johnsons gerechnet werden muß. Im Gegensatz zu Außenminister Rusk, der von Hanoi eine handfeste Gegenleistung für den Stopp der Luftoffensive gefordert hatte, versicherte McNamara den Senatoren, die USA seien dazu bereit, "ohne daß ein Schritt der Gegenseite vorangeht, ohne verbindliche Garantie, was die Gegenseite tun würde, sondern lediglich mit irgendeinem allgemeinen Hinweis, wie die Gegenseite vorgehen würde".

In England, aber auch in Washington, wächst der Verdacht, daß Präsident Johnson und seine Generale weniger denn je an einem Frieden in der jetzigen Phase des Krieges interessiert seien, weil die Möglichkeit einesmilitärisches Sieges Vietnam wegen der Vorgängerin China verliert.