Düsseldorf Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Düsseldorf hat sich gegen einen neuen Gegner formiert: gegen die NPD, deren Agitation bei schwankender Konjunktur und stillgelegten Zechen die Unzufriedenheit mit der gemäßigten Arbeitspolitik der Industrie-Gewerkschaften schürt.

Eine grüne Broschüre, "Auf dem Prüfstand der Demokratie" betitelt (v. Hase & Koehler Verlag Mainz), wurde um die Jahreswende über die Geschäftsstellen des DGB verbreitet. Ihre 64 Seiten sind der "Analyse und geistigen Auseinandersetzung mit der NPD" gewidmet. In 16 Abschnitten werden Sprüche, Ideen und Ziele der Partei Thielens und Thaddens nüchtern seziert.

Die teils konfuse, teils uneinsichtige Einstellung der NPD zur Kriegsschuldfrage, zur Wiedervereinigung und zur Oder-Neiße-Grenze wird ebenso bloßgelegt wie die Führungsgruppe der Partei ("Honoratioren an der Spitze, Faschisten im Hintergrund"). Die Analyse kommt zu einem kritischen Schluß: Die NPD versuche "bis ins einzelne genau den gleichen Weg zu wiederholen, an dessen Ende der Zusammenbruch von 1945 stand... Sie verketzert ihre politischen Gegner als Landesverräter, sie verkündet die Lehre vom totalen Staat, sie will die Demokratie schwächen... Das berechtigt uns zu sagen: Die NPD ist eine gegen das nationale Interesse, ja sogar die Existenz des deutschen Volkes wirkende Partei".

Der Name des Verfassers findet sich in der Broschüre nicht. Der DGB-Vorstand, der das Manuskript gekauft hatte, wollte ursprünglich 150 000 Exemplare drucken lassen. Die Staatsbürgerliche Bildungsstelle des Innenministeriums von Nordrhein-Westfalen war von den gezielten Schüssen in der Broschüre so angetan, daß ihr Leiter Dr. Nachtwey für eine zusätzliche Auflage sorgte. Er versandte die Kampfschrift gegen die NPD als Unterlage zu "Vortrags- und Schulungszwecken". In einem Begleitschreiben informierte er die Empfänger: "Etliche Leute stoßen sich daran, daß der Name des Verfassers fehlt. Der Verfasser wünschte unter allen Umständen ungenannt zu bleiben. Wir haben das zu respektieren ..."

Durch den ungenannten Autor, dessen politisch-publizistischer Hintergrund vom DGB nicht rechtzeitig erforscht worden war, sind nun der DGB und die Bildungsstelle in größte Verlegenheit geraten. Die Broschüre wird nicht mehr verbreitet, der DGB möchte am liebsten alles ungeschehen machen. Der Schreiber der NPD-Analyse entpuppte sich nämlich als ein Allzweck-Schreiber, der auch Personen attackierte, mit denen der DGB zumindest sympathisierte.

Der Schreiber heißt Rudolf Grüner, wohnt in der Münchener Leonrodstraße, war früher Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks, engagierte sich für den "Hauptausschuß gegen die Remilitarisierung", stritt dann für Strauß und die CSU und stellte sich in Prozessen gegen Kommunisten oder Mitglieder von Nachfolgeorganisationen den Anklagebehörden zur Verfügung. Dabei nahm er Gelegenheit, sich ungünstig über Kirchenpräsident Niemöller, Pfarrer Mochalski, über den heutigen Justizminister Dr. Heinemann und auch über Herbert Wehner zu äußern.

Aber der publizistische Helfer des DGB entpuppte sich nicht nur als Kämpfer gegen linke Genossen; es stellte sich zusätzlich heraus, daß der vielgewandte Rudolf Grüner auch für die Thesen der NPD zu streiten vermochte und zwar in der "Deutschen Nationalzeitung und Soldatenzeitung". Als wohlgelittener Propagandist der Münchner Nationalisten-Gazette wetterte Grüner unter dem Pseudonym "Robert Gast" zum Beispiel am 18. Februar 1966 gegen Regierung und Parteien in Bonn.