Ganz so, wie es John Kenneth Galbraith schon in den fünfziger Jahren empfahl – nämlich bei steigender Arbeitslosigkeit die Unterstützungssätze stark heraufzusetzen, um sie dann in der Phase der Vollbeschäftigung wieder zu senken –, hat man es nun allerdings nicht gemacht. Der Bundestag konnte sich nur zur Verwirklichung des ersten Teils dieses damals Aufsehen erregenden Vorschlages des amerikanischen Nationalökonomen entschließen; über den zweiten Akt dieser antizyklischen Arbeitsmarktpolitik wurde noch nicht einmal gesprochen.

Dennoch ist es wohl reichlich voreilig, der Sozialpolitik der Großen Koalition deswegen schon jetzt den Prozeß zu machen. Auch nach Erhöhung des Arbeitslosengeldes um 15 Prozent ab 1. April wird ein Alleinstehender nur 62,5 Prozent (jetzt 55 Prozent) seines bisherigen Arbeitsverdienstes erhalten. Für einen Arbeitnehmer mit Frau und Kindern kann es sich zusammen mit Familienzuschlägen auf maximal 80 Prozent (jetzt 70 Prozent) erhöhen. Der Verlust von 20 Prozent des Nettoeinkommens dürfte für einen Familienvater immer noch Anreiz genug sein, sich um einen Arbeitsplatz zu bemühen, wenn er einen findet.

Es waren denn auch, unter vernünftigen Leuten nicht die Befürchtungen, daß die Arbeitnehmer zur Faulenzerei animiert werden würden, als vielmehr volkswirtschaftliche Bedenken, die einer Erhöhung des Arbeitslosengeldes im Wege standen. Dem Galbraith-Effekt – Stützung der Massenkaufkraft in der Depression – steht die Tatsache gegenüber, daß die Arbeitslosenversicherung nun Rücklagen auflösen muß. Kapitalmarktpolitisch sicher nicht ganz unproblematisch; und damit ein Grund mehr, die Arbeitslosen möglichst rasch wieder von der Straße zu bringen. kr.