Die Anlage von Vermögenswerten in Kanada war in der Vergangenheit nicht immer frei von Gefahren. Sie lagen weniger im Land selbst oder seiner Wirtschaft begründet, sondern in den allzu cleveren Geschäftsmethoden zwielichtiger Firmen, die den europäischen und besonders den manchmal recht wundergläubigen deutschen Anlegern Dinge versprachen, die einen nüchtern denkenden Menschen sofort hätte mißtrauisch machen müssen. Offeriert wurden beispielsweise Grundstücke von minderem Wert, die kaum wieder verkäuflich waren, oder Aktien von Gesellschaften, die praktisch nur noch auf dem Papier existierten bzw. Verluste in den Bilanzen stehen hatten, die den europäischen Interessenten sorgsam verschwiegen wurden. Durch diese Vorfälle sind Anlagen in Kanada in Verruf geraten. Das ist bedauerlich, denn grundsätzlich sind dort Investitionen durchaus erfolgversprechend und für Leute mit hohen Einkommensteuern auch steuerlich reizvoll.

Investitionen im Ausland, meine verehrten Leser, sind nichts für den "kleinen Sparer". Das gilt auch für Anlagen in Kanada, insbesondere auf dem Gebiet der Immobilien. Wer jedoch über Vermögen verfügt, die eine internationale Streuung nahelegen, sollte an Kanada nicht vorübergehen. Kanada gilt nach wie vor als Entwicklungsland, aber im guten Sinne. Es kennt keine Rassenprobleme, seine Wirtschaft dürfte sich angesichts des Rohstoffreichtums des Landes und der nicht ausgeschöpften Arbeitskraftreserven langfristig günstig entwickeln. Das kanadische Bruttosozialprodukt stieg 1966 real um 5,5 Prozent; die Steigerungsrate lag an der Spitze der westlichen Welt (USA 5,5, Frankreich, Italien und Niederlande je 5, Bundesrepublik 3,5 Belgien 3 und Großbritannien 1 Prozent). Für 1967 wird eine reale Zuwachsrate des Bruttosozialprodukts von 4,5 Prozent erwartet.

Von dieser Seite spricht nichts gegen ein Engagement in Kanada. Aber es kommt – wie überall – auf die richtige Auswahl an, wobei ich mit Auswahl nicht nur Seriosität, sondern auch sichere Rendite meine. Voraussetzungen dafür hat vor einigen Jahren eine deutsche Gruppe privater Banken geschaffen, die in Toronto The Metropolitan Trust Company ins Leben gerufen haben. Dieses kanadische Unternehmen unterliegt einer strengen behördlichen Aufsicht, die in etwa mit der deutschen Bankenaufsicht vergleichbar ist.

Anlegern, die Barmittel von über 200 000 Kanada-Dollar zu investieren vorhaben, wird von den kanadischen Sachverständigen nahegelegt, ein eigenes Objekt zu erwerben. Man kann ein solches Projekt als Einzelperson kaufen, man kann aber auch eine "Limited Company" gründen (in etwa zu vergleichen mit einer deutschen GmbH). Dies ist – so behauptet The Metropolitan Trust Company – die empfehlenswerteste Form, ein Objekt zu erwerben. Die Gründungskosten betragen etwa 500 Dollar. Es brauchen nur drei Aktien ausgegeben zu werden zu je einem Dollar. Diese Limited Company kauft das Objekt. Das zum Kauf erforderliche Kapital gibt der Anleger in Form eines Darlehens an die Limited Company. Das hat wesentliche steuerliche Vorteile, die ich hier nicht im einzelnen zu erläutern brauche.

Wer nicht in der Lage oder willens ist, 200 000 Dollar in Kanada zu investieren, geht einen anderen Weg. Auf Initiative von Metropolitan wurde von einer Gruppe deutscher Banken (Berliner Bank AG; Hermann Lampe KG, Bielefeld; Martens & Weyhausen, Bremen; Nicolai & Co, Hannover; Bankhaus Friedrich Simon, Düsseldorf, und Vereinsbank in Hamburg) die Five Oaks Holdings Ltd., Toronto, ins Leben gerufen. Diese Gesellschaft wird die von ihr erworbenen Objekte durch Herausgabe von Aktien und Obligationen finanzieren, die aus Einheiten von 100 Aktien je 10 Dollar = 1000 Dollar und von 10 000 Dollar 7,5prozentigen Obligationen = 10 000 Dollar bestehen. Wer sich hier beteiligen will, muß 11 000 Kanada-Dollar mitbringen.

Als erstes Objekt hat die Five Oaks ein Lager- und Bürohaus in Toronto erworben. Es ist für fünf bis zehn Jahre an drei namhafte kanadische Gesellschaften vermietet. Die Einnahmen aus den Mietverträgen (die auf Netto-Basis abgeschlossen sind, wonach alle Steuern und Abgaben sowie Reparaturen von den Mietern getragen werden) gewährleisten die Verzinsung der 7,5prozentigen Obligationen. Die Übernahme eines zweiten Objektes steht unmittelbar bevor. Absicht ist es, nur industriell genutzte Objekte zu kaufen, die langfristig an erstklassige Firmen verpachtet werden können.

Um eine Kapitalverwässerung zu vermeiden, soll bei Neuemissionen das Anlagevermögen von einem unabhängigen Sachverständigengremium – ähnlich beim iii-Fonds – neu bewertet und der Ausgabepreis der Aktien entsprechend festgesetzt werden.