Amerika hat einen neuen CIA-Skandal – den größten seit dem Fiasko des Geheimdienstes in der kubanischen Schweinebucht im April 1961. Vorige Woche wurde publik, daß der angeblich freie und unabhängige Nationale Studentenverband (NSA) in den letzten fünfzehn Jahren zwölf Millionen Mark vom CIA kassiert hat.

Fast täglich wurden nun neue Namen von kulturellen, akademischen und gewerkschaftlichen Organisationen bekannt, die wahrscheinlich ebenfalls vom Geheimdienst mitfinanziert wurden, u. a.

  • die Internationale Juristenkommission (Sitz Genf);
  • der "Kongreß für die Freiheit der Kultur" (Sitz Paris);
  • der Internationale Bund Freier Gewerkschaften (Sitz Brüssel);
  • der amerikanische Journalistenverband;
  • die Weltjugendversammlung in Brüssel;
  • die Internationale Studentenkonferenz in Leyden (ISC).

Der CIA verteilte das Geld über mehr als zwanzig zum Teil, angesehene Stiftungen und andere Privatgesellschaften, so daß einige der genannten Organisationen guten Gewissens dementieren können? sie hatten Geld vom Nachrichtendienst empfangen.

Die Verbindung zwischen Geheimdienst und Studenten war ein Produkt des Kalten Krieges. Unter der Präsidentschaft Trumans hielten es Regierung und Studentenverband für nötig, der von Moskau gesteuerten Propaganda kommunistischer Studentenorganisationen in Asien, Afrika und Lateinamerika durch eine ebenso starke Auslandsarbeit amerikanischer Studenten entgegenzuwirken, also durch staatliche Förderung von Auslandsreisen, Teilnahme an Weltjugendfestspielen, usw.

Der CIA wurde als Geldgeber ausgewählt, da so am ehesten die Geldquellen geheimgehalten werden konnten. In den ersten Jahren wurden Subventionen bis zu 400 000 Dollar gezahlt.

Von den führenden Funktionären der NSA wußten jeweils nur zwei Bescheid, die zum Schweigen verpflichtet waren, gelegentlich auch durch Drohungen eingeschüchtert wurden. Die Millionen Mitglieder des Verbandes fühlten sich frei; allgemein galt die NSA als linksliberal.

Allerdings – so behauptet die Zeitschrift "Ramparts", die den Skandal enthüllte würden Studenten auch als Spione benützt. Sie informierten den CIA über ausländische Studentengruppen, Ostkontakte, etc. Etliche der NSA-Funktionäre sollen Jahresgehälter bis zu 10 000 Mark bekommen haben. Andere wurden nach dem Studium in hohe Stellungen des CIA oder in den diplomatischen Dienst übernommen.