Schulen und Universitäten haben ein gebrochenes Verhältnis zur Presse. Was einerseits darauf zurückzuführen ist, daß Journalisten oft zu wenig von den besonderen Schwierigkeiten an Schulen und Universitäten wissen – die ja auch von Land zu Land, von Universität zu Universität wechseln. Andererseits herrschen an Schulen und Universitäten sonderbare Auffassungen vor von den Möglichkeiten und Aufgaben der Publizistik.

Am liebsten würden manche Senate und Schulbehörden Presse, Rundfunk und Fernsehen als Organe für Public Relations verwenden, die einem darob freudig erstaunten Publikum mitteilen, daß Professor Treue einen Ruf von X nach Y abgelehnt hat (was, so meint man, allemal für X spricht) und daß für die Raumnot in der Schule A und für den Lehrermangel an der Schule B nun endlich Abhilfe geschaffen werden muß.

Jedes kritische Wort, und sei es noch so zurückhaltend geäußert, scheint Schulen wie Universitäten unangebracht.

Zwei neue Vorfälle veranlassen uns, dieses alten Trauerspiels zu gedenken.

In der ZEIT Nr. 50/66 hatte Cornelia Jacobson unter dem Titel "Reise in eine ungewohnte Richtung" über die Polenreise einer Klasse des Marie-Curie-Gymnasiums einen Bericht geschrieben, der so wohlwollend war, daß einige ZEIT-Leser sich veranlaßt sahen, dem Gymnasium Geld zu überweisen, damit es den Gegenbesuch einer polnischen Klasse finanzieren könne.

Am Marie-Curie-Gymnasium selber und vermutlich auch irgendwo in der Schulverwaltung wurde jedoch offenbar nur der kritische Unterton gehört, der in Frau Jacobsens Bericht leise mitgeschwungen hatte. Jedenfalls soll, nach einer Meldung des Berliner "Tagesspiegel" vom 7. Februar, dieser Bericht Berliner Schulverwaltern als Anlaß gedient haben, Schülern, Lehrern und sogar Schulleitern jede Auskunft an die Presse zu untersagen. Und dabei dachten wir doch immer, in Berlin wehe eine besonders freiheitliche Luft. Auch scheint es uns wenig konsequent, die Ignoranz von Journalisten zu beklagen – und dann, um da Abhilfe zu schaffen, Informationen zu verweigern.

Einer solchen Überlegung hätten wir immerhin die Westdeutsche Rektorenkonferenz für fähig gehalten. Bis wir eines Schlimmeren belehrt wurden.