Von Hilke Schlaeger

Alles fing so hoffnungsvoll an. Auf ihrer Vollversammlung im Juli des letzten Jahres hatten, die Rektoren der 34 westdeutschen Hochschulen dem Vorschlag des Wissenschaftsrates, wie das Studium in Deutschland zu reformieren sei, zugestimmt. Damals hieß es: "Im Februar 1967 wird die LVII. Plenarversammlung der WRK aus den Beratungen in den Senaten, Fakultäten und Fakultätentagen die für die Studienreform notwendigen Schlüsse ziehen

Es schien, als wären die höchsten Repräsentanten der Hochschulen bereit, über den eigenen Schatten zu springen – bis dahin hatten sie sich nicht gerade durch Fortschrittlichkeit ausgezeichnet –, und als sei die Studienreform nur noch eine Sache von Monaten. Allerdings mußte es bedenklich stimmen, daß die Vertreter der Geisteswissenschaften von Anfang an viele Einschränkungen machten und, wenn auch vorerst noch in mildem Ton, von differenzierten Verhältnissen und deshalb notwendigen Modifikationen sprachen.

Auf der Plenarversammlung in Frankfurt mußte die Westdeutsche Rektorenkonferenz nun also entscheiden, ob sie ihren Mitgliedshochschulen die Einführung des Modells des Wissenschaftsrates, des weiß Gott nicht ersten und auch nicht revolutionärsten Modells zur Studienreform, empfehlen will oder nicht. Die Rektoren zogen die "notwendigen Schlüsse" – dieselben Rektoren, denen von einem nicht geringen Teil der Hochschullehrerschaft vorgeworfen worden war, sie hätten mit ihrer ersten positiven Stellungnahme den einzelnen Fakultäten die Möglichkeit verbaut, sich noch kritisch mit den Reformvorschlägen auseinanderzusetzen.

Die Quintessenz aus dem Streit, der auch in der Öffentlichkeit lebhaften Widerhall fand: die Rektoren geben allen recht und keinem ganz. Mit halbem Herzen Verkünden sie: "Die Einführung von Zwischenprüfungen und die Straffung des Studienganges in der Anfangsphase des Studiums werfen die Frage auf, in welchem Maße individuelle Studiengestaltung in den einzelnen Disziplinen gewährt werden kann." Das klingt beinahe, als käme es vom Wissenschaftsrat. Aber mit ganzem Herzen und die Verantwortung weit von sich schiebend wird gleich wieder eingeschränkt: "Es ist in erster Linie Aufgabe der Fakultäten und der Fakultätentage, diese Möglichkeiten zu prüfen." Der Unterschied zu den Formulierungen des letzten Jahres ist wirklich geringfügig.

Für den Wissenschaftsrat galten als erste größere Einheit des Studiums die Semester bis zum ersten Berufsexamen. Für diese Zeit glaubte er – nach allen Erfahrungen, die man heute an unseren Hochschulen machen kann –, eine zuerst ausgiebige, später ein bißchen freizügigere Anleitung und Führung der Studenten vorschlagen uu müssen und dazu die Bestimmung, daß als ungeeignet zu gelten habe, wer eine nach zwei Studienjahren eingeschaltete Zwischenprüfung nicht übersteht und wer nicht nach der vorgeschriebenen Gesamtzeit sein Examen – Diplom, Magister oder Staatsexamen – gemacht hat.

Die Rektoren haben diese Studieneinheit ignoriert und sich auf die ersten vier Semester konzentriert. Professor Sieverts, der Präsident der WRK, gab als Begründung für solche Selbstbeschränkung an, daß in Gesprächen mit den Kultusministern nur die Finanzierung der Reform dieses ersten Studienteils zugesichert sei – und auch das nur mit Einschränkungen: bei der heiklen Finanzlage der Länder keine sehr überraschende Neuigkeit.