Eine NPD-Versammlung in der deutschen Provinz

Von Franz Barsig

„...bum, bum, bum, und das heißt Erika“ – aus dem Lautsprecher dröhnt das Lied vom kleinen Blümelein, das auf der Heide blüht, in den rauchgeschwängerten Saal, Fast tausend Füße trampeln den Takt mit.

Für 20 Uhr war die Versammlung mit dem stellvertretenden Vorsitzenden der NPD, Adolf von Thadden, in Hessisch-Oldendorf/Niedersachsen angekündigt. Aber er hielt offenbar nicht viel von preußischer Pünktlichkeit. Bis 20.20 Uhr wurde darum Musik gemacht. Der „Hohe Friedberger“, die „Kreuzritter Fanfare“ und natürlich, wie konnte er fehlen, der Wind des Westerwaldes, der so kalt über seine Höhen pfeift. Ältere Jahrgänge riefen sachverständig und an den richtigen Stellen „Eukalyptus-Bonbon“ dazwischen, einige noch etwas anderes – ehemalige Landser kennen es.

Zwar gehören alle diese Titel zum sogenannten allgemeinen Lied- und Musikgut, und kein Liederbuch der Bundeswehr, das etwas auf sich hält, verzichtet auf sie. Trotzdem wirkt es ganz anders, wenn diese Lieder und Märsche in der Bundeswehr gesungen werden, \wo sie wertfrei geworden sind. Wer die Reaktion der Mehrheit in dieser NPD-Versammlung verfolgte, wer den Gesprächsfetzen lauschte, der spürte, daß diese Musik bei den NPD-Anhängern ein Bedürfnis befriedigte. Ein gewisser Stolz machte sich breit, fast als wenn sie sagen wollten: Da seht ihr! Was 20 Jahre verpönt war, was die sogenannten Lizenzparteien ablehnen, das spielen wir jetzt wieder, frisch, fromm, fröhlich, frei. Hier war Musik nicht Überbrückung, sondern Demonstration des angeblich neuen und doch so alten Geistes.

Um 20.20 Uhr erschien endlich Thadden; elegant, gepflegt wie immer, dezente Sonnenbräune auf dem Gesicht.

Die Einleitung der Versammlung durch den Kreisvorsitzenden von Hameln-Pyrmont war eine Katastrophe. Ein junger Mani. von vielleicht 26 oder 28 Jahren stotterte und brachte keinen Satz logisch zu Ende. In jeder Versammlung einer anderen Partei hätte man ihn einfach ausgelacht. 500 Besucher in Hessisch-Oldendorf fanden nichts dabei, im Gegenteil, sie jubelten amüsiert, als er ihnen seine Anschrift mitteilte und dann meinte, die könne man aber auch wieder vergessen, es genüge sein Name, das Dorf und der Zusatz NPD, „das kommt immer an!“