R. Z., Bonn

Als Staatsbürger, der sein Vaterland liebt,... verspreche ich ... diejenigen, die gegen die neue Ordnung sind, tatkräftig zu verurteilen und zu liquidieren. Dieses seltsame Treuegelöbnis samt der Aufforderung, es zu unterschreiben, wurde in der Bundesrepublik verschickt, die laut Grundgesetz ein demokratischer Rechtsstaat ist. Adressaten waren die indonesischen Studenten und Praktikanten, die in Deutschland studieren und lernen. Der politische Streit in Indonesien zwischen den Kommunisten und den Anhängern Sukarnos auf der einen Seite und dem Regime der Generale auf der anderen wird also auf dem Boden der Bundesrepublik fortgesetzt.

Daß diese Auseinandersetzung an den rund 1200 indonesischen Studenten und Praktikanten vorübergehen würde, war nicht zu erwarten, befremdlich aber ist die Methode, mit der die jungen Indonesier, gleichgeschaltet werden. Es begann mit einer Bekanntmachung der indonesischen Botschaft. Der Gesandte Samil und der Kulturattache Professor Juntjoro ermahnten ihre jungen Landsleute, sich bei der Botschaft registrieren zu lassen und unverzüglich der Vereinigung indonesischer Studenten (PPI) beizutreten – dem einzigen Studentenverband, der von der indonesischen Regierung anerkannt wird.

Um dieser Aufforderung den nötigen Nachdruck zu verleihen, wurden die Studenten darauf aufmerksam gemacht, „daß diejenigen, die es versäumen sollten, die oben erwähnten Pflichten rechtzeitig zu erfüllen“, bestraft werden, „und zwar durch Ablehnung der Weiterverlängerung des betreffenden Reisepasses“. Mit anderen Worten: Wer sich politisch mißliebig macht, muß sein Studium abbrechen.

Zugleich mit dieser Bekanntmachung – für ihre Weiterverbreitung würden die akademischen Auslandsämter der Universitäten „um ihre wertvolle Mitwirkung und sinnvolle Unterstützung ersucht“ – verschickte die Botschaft das Treuegelöbnis. Die Unterschriftsformel für dieses Gelöbnis spricht für sich selbst: „Ich unterzeichne dieses Gelöbnis, weil ich mich zum ganzen Inhalt bekenne, Sanktionen im Falle etwaiger Übertretungen werde ich freiwillig akzeptieren.“

Noch merkwürdiger ist ein drittes Dokument, mit dem sich die indonesischen Studenten beschäftigen müssen: ein Fragebogen. Damit dieser Fragebogen auch richtig ausgefüllt wurde, bekamen die Studenten offizielle Nachhilfe. Das indonesische Außenministerium schickte ein „Screening-team“ – ausgewählte Leute, meist, Offiziere, mit dem Auftrag, die politische Einstellung ihrer Landsleute in der Bundesrepublik genau zu durchleuchten.

Der Fragebogen, den die Studenten unter Anleitung dieser „Durchleuchter“ ausfüllen mußten, ist eine seltene Mischung von Naivität und politischer Raffinesse. So wird nach den Vorstellungen gefragt, mit denen die Studenten ins Ausland gefahren sind. Als Antwort stehen zur Auswahl: