Von Wolfram Siebeck

Es war einmal eines reichen Mannes Tochter, die hatte alles, was sich ein Mädchen nur wünschen konnte. Sie hatte ein Studentenappartement in Paris, eine Bibliothek voller Comics und einen Porsche. Ihr liebstes Spielzeug aber war ein Aktienpaket; damit spielte sie den ganzen Tag an der Börse.

Nun trug.es sich zu, daß die Aktien wieder einmal fielen, diesmal, aber so tief wie Volksaktien; und das Mädchen weinte bitterlich. Doch wie es so traurig im „Deux Magots“ saß, steckte ein Modephotograph seinen garstigen Kopf aus einem Gully, wo er gerade originelle Aufnahmen machte, und sprach: „Was gibst du mir, wenn ich Photos von dir an Playboy verkaufe?“ Das Mädchen versprach, alles mit ihm zu teilen, was es besitze, damit es auf das Faltblatt, käme. Heimlich aber dachte es: „Was kann so ein schwuler Knipser schon wollen!“

Als sie aber am nächsten Tag in ihrem Bettchen lagen und die Comics lasen, sagte der Photograph: „Jetzt laß mich auch mit deinem Porsche fahren.“ Aber da wurde das Mädchen böse; denn das hatte es noch niemandem erlaubt. Doch der Photograph bestand auf ihrer Abmachung und setzte sich ans Steuer. Als er nun Gas gab, hörte das Mädchen, wie es hinter ihnen krachte; denn er hatte aus Versehen den Rückwärtsgang eingelegt. Sie drehte sich um und rief: „Heinrich, der Wagen bricht!“

So war es auch. Und damit hatte sie den Intelligenztest bestanden, und sie konnte Mannequin werden. Dann magerte sie ab, wurde nervös und rauchte viele, viele Zigaretten, und ihr Photo erschien auf allen Titelblättern und auf dem Faltblatt von Playboy. Der, häßliche Photograph aber verwandelte sich in ihren ständigen Begleiter. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann wird er ihr noch viele Autos zu schaden fahren.