Der Tod eines jungen Tormannes machte jetzt Schlagzeilen. Die Kritik richtete sich nicht gegen die Gefährlichkeit des Fußballsports. Sie ist ja auch, im Gegensatz zu seiner amerikanischen Abart, bei der es schon fünfzig Tote in einem Jahr gab, nicht besonders groß. Die Kritik richtete sich vielmehr gegen den Sportarzt, der dem jungen Mann im Tor das Spielen erlaubte. Der Torwart litt nämlich an einer Mißbildung der Körperschlagader, und Leistungssport wurde ihm deshalb untersagt; nur im Tor sollte er stehen dürfen. Man befragte jetzt extra einen bekannten, erfahrenen „Goalman“, der die Dreißig schon überschritten hat, Sawitzki vom VfB Stuttgart. Er bestätigte, was jeder Fußballer weiß, daß der Tormann heute nicht viel weniger beansprucht wird als die Feldspieler auch. Gewiß, die kurzen Sprints braucht er nicht zu machen, es sei denn, er wird vom Tordrang ergriffen und improvisiert eine Soloeinlage à la Radenkovic und begibt sich mit dem Ball am Fuß in die gegnerische Hälfte.

Dafür muß er aber manchmal von einem Eck ins andere hechten oder muß aus dem Kasten herausstarten, um den Ball wegzufausten oder zu fangen. Und erst beim Strafstoß, beim Elfmeter, schlägt ihm das Herz bis an den Hals, wenn es darum geht, vorzureagieren und die Ecke zu ahnen, in die der Schütze den Ball befördern wird.

Auch dann, wenn der Ball weit, weg ist, ist sein Dasein heute nicht mehr so gemütlich wie einst und wie es in einer berühmten Pantomime einmal zu sehen war. Das Spiel ist viel schnellergeworden, und blitzschnell ändert sich die Situation, der Ball wird oft in weitem Paß nach vorn „gedroschen“ und der arme Tormann findet kaum noch Ruhe. Manche meinen, die Tatsache, daß der Doktor diese Beschleunigung des Tempos im Laufe der Jahre und Jahrzehnte nicht mitbekommen habe, hätte dem jungen Tormann den Tod gebracht. Der Sportarzt war nämlich früher, als es beim Fußball noch viel gemächlicher zuging, selbst Torwart gewesen,

Der junge Spieler lag ihm auf der Seele, ihn doch spielen zu lassen, und da glaubte der Doktor, der selbst einst den Ball weggefaustet oder liebevoll unter sich begraben hatte, es verantworten zu können, den Wunsch des jungen Sportlers zu erfüllen.

Eine ganze Zeitlang ging alles gut, der Junge war, wie es so schön heißt, eine Stütze der Mannschaft – bis dann urplötzlich der tödliche Zusammenbruch als jäher Schicksalsschlag kam.

Was passierte? Ich kenne zwar nicht den autoptischen Befund, aber – mit größter Wahrscheinlichkeit kam es zu einer Gefäßruptur, zum Platzen des mißgebildeten Gefäßes und damit zum raschen inneren Verbluten,

Ein größer Teil der tödlichen Zusammenbrüche beim Sport sind solche Gefäßrupturen, worauf Ernst Jokl, der heute als Professor in Kentucky wirkt, schon früher in einer Monographie besonders hingewiesen hat. Oft werden die Mißbildungen am Gefäßsystem nicht vorher erkannt. Erstaunlich ist dabei die enorme Anpassungsfähigkeit des menschlichen Organismus, bei dem in einer Funktionskette schwache Glieder durch stärkere ausgeglichen werden können.