D. B., Singapur Anfang März

Mit einem Seufzer der Erleichterung verfolgt die Welt den Sturz eines Revolutionärs, der seinem Lande im Kriege große Dienste leistete, es aber im Frieden zugrunde richtete. Sukarno hat alle Macht an den starken Mann Indonesiens, General Suharto, abgetreten. Der Diktator verzichtete auf eine Fortsetzung des Konflikts, weil das Wohl von Staat und Nation keine Fortsetzung der neueren Kämpfe mehr erlaubt.

Suhartos Versprechen, daß Sukarno, wenn er sich künftig im Hintergrund halte, nicht vom Volkskongreß wegen seiner Mitwirkung am blutigen kommunistischen Aufstand im Jahre 1965 zur Rechenschaft gezogen würde, vermochte den Diktator zum Einlenken zu bewegen. Freilich bleibt Sukarno nominell Präsident von Indonesien. Suharto muß ihm – theoretisch – über politische Entscheidungen berichten.

Wohl ist Sukarno nach wie vor ein volkstümlicher Mann: in der Nationalpartei, in der Marine und auf Java. Doch wird dies nichts daran ändern, daß der Volkskongreß seiner Entmachtung zustimmen; wird. Sollte Sukarno sich dagegen sträuben, würde er wahrscheinlich sogar ganz aus seinem Amt verdrängt werden.

Doch soweit wird es. kaum kommen. Sukarno ist ein Meister des Kompromisses – trotz aller theatralischen Erregung, die er zur Schau trug. Er ist ein emotionaler Revolutionär. Pragmatismus in der Verwaltung seines Landes ist ihm fremd. Er war immer der Ansicht, daß es der jungen indonesischen Nation, deren Einheit jahrhundertelang nur durch die holländische Kolonialherrschaft gesichert wurde, nicht an Kraft, sondern an Zusammengehörigkeitsgefühl fehle.

Die Zersplitterung der Nation und nicht etwa die Hungersnot betrachtete Sukarno als Gefahr. Deshalb setzte er sich über die dringlichen Wirtschaftsprobleme des Landes hinweg und erzog die Indonesier zu einer stolzen, arroganten und chauvinistischen Nation. Sukarno konnte Indonesien kein Brot geben. Statt dessen bedachte er das Volk mit lautstarken Reden. Nicht der sozialen Wohlfahrt, sondern dem Aufbau der größten und modernsten Streitkräfte Südostasiens widmete Sukarno seine Kraft. Mit Hilfe von Milliardenkrediten kaufte er im Ostblock Waffen ein. Allein die Zinsenlast erweist sich als unerträgliche Last für die indonesische Wirtschaft. Eine Generation wird daran zu tragen haben.

Statt das Volksvermögen zu mehren, verlegte sich Sukarno auf Prestigeprojekte. Er errichtete die herrlichsten Sportstadien in Asien, Wolken-, kratzerhotels, die niemals voll belegt waren, riesige Kaufhäuser, in denen es nichts zu kaufen gab, gigantische Bauten und Denkmäler. Zukunftsversprechungen und Statussymbole waren die Welt, in der Sukarno lebte.