Lansing Lamont: Eine Explosion verändert die Welt. R. Piper Verlag, München; 257 Seiten, DM 19,80

Er blieb vor einer Taube stehen, die zitternd im Sand auf dem Rücken lag. Das Tier war von der Stoßwelle umgeworfen worden, und seine Füße zappelten hilflos in der Luft. Oppenheimer kniete nieder und drehte die Taube um. Er sah ihr nach, wie sie forttrippelte, und dachte: „Das ist das mindeste, was ich tun kann.“

Und: „Er hatte (Oppenheimer) niemals eine Zeitung oder Zeitschrift gelesen...“

Und „Das Tremolo der liebestrunkenen Kröten neben seinem Fuchsloch übertönte fast (fast!) das Crescendo der Zahlen, das über die Wüste hallte. Fünf, vier, drei zwei, eins...“

So sieht das also aus, wenn ein harter amerikanischer Reporter einen Dokumentarbericht über eine harte Sache schreibt. Drei Jahre hat seinerzeit die Vorbereitung der Explosion einer Plutoniumbombe gedauert, zwei Jahre ist Lamont jetzt in den Vereinigten Staaten herumgereist und hat über hundert Wissenschaftler und Offiziere in dieser Sache interviewt. Dabei ist eine schier unübersehbare Menge von Details zusammengebracht worden, interessante und vor allem uninteressante. Was die Frauen der Wissenschaftler gedacht und gefühlt haben. Wie die lauten Schnarchtöne des Reporters Bill Laurence seine zwei Wagengenossen aus dem Schlaf geweckt haben. Daß bald hier eine Schraube gefehlt hatte, bald dort ein Kabel zerrissen war. Wodurch die Beschreibung der Probeexplosion bei Los Alamos immer noch einmal um zehn Seiten verschoben werden kann.

Die teilweise informativen Facts werden durch „Feuilletonismus“ – in diesem speziellen Fall als Schimpfwort gemeint –, zu einem Brei verrührt, durch den sich der Leser hindurchkämpfen muß. Die natürliche Spannung der Ereignisse in New Mexico wird immer wieder mit – fragwürdigen – Detailschilderungen von der Potsdamer Konferenz und allgemeinen Beschreibungen der Invasionskämpfe in Japan „überzogen“.

Im besten amerikanischen Stil dagegen ist die Darstellung der technischen Vorgänge, die präzise, anschaulich und – wahrscheinlich – richtig beschrieben werden. Jetzt weiß der Leser endlich, wie eine Plutonium-Bombe zusammengesetzt wird. Klaus Fuchs wußte es von Anfang an, er war ja aktiv mit dabei, und die Geschichte seines Verrats wird ebenfalls ausführlich, à la James Bond, erzählt. Der Versuch des Autors, die Gewissensskrupel der beteiligten Wissenschaftler glaubhaft zu machen, gelingt nicht recht. Zu sehr setzen sich Worte fest wie: