Sehr sehenswert:

Bereits besprochen: „Die Gräfin von Hongkong“, von Charlie Chaplin. Die Konfession eines alten Mannes, Komikers und Filmmachers, ein Blick zurück auf die Gefühle und das Kino von einst. „Fahrenheit 451“, von François Truffaut. Kein science-fiction-Film, sondern ein Film über science-fiction, das heißt, über das Wesen gewisser zivilisatorischer Zwangsvorstellungen. „Abschied von gestern“, von Alexander Kluge. Eine kinematographische Entdeckungsreise in ein Stück deutscher Gegenwart und Geschichte. „Wilder Reiter GmbH“, von Franz-Josef Spieker. Eine komische Lektion über zeittypische Sehgewohnheiten und Sehfehler.

Sehenswert:

Bereits besprochen: „Der Gentleman-Zinker“, von Jack Smight. Der Regisseur, der den Schwarzen Film ein wenig regenerierte, huldigt hier dem ebenfalls aus der Mode gekommenen Genre der Kriminalkomödie.

Ferner laufen:

„Anruf für einen Toten“ (The Deadly Affair), von Sidney Lumet. Agentenfilme, zweite Folge: Goodbye Glamour, Bonjour Tristesse! John Le Carré der Anti-Fleming. Sein Held ein wahrer Anti-Bond, alt, taperig, außer Dienst und mit einer nymphomanen Frau geschlagen. Der einzige Freund, ein österreichischer Widerständler, mit dem er im Krieg zusammenarbeitete, nimmt ihm zuerst die Frau weg und entpuppt sich dann noch als skrupelloser Ostagent. Regisseur Lumet trieb dem schlichten Gericht durch übermäßige Erhitzung – exzentrische Mimik, Kamerawinkel und Montage – jeden Geschmack aus. Kalt serviert, hätte das an die alten schwarzen Bogartfilme erinnern können.

„Krieg und Frieden“ (Woina i mir), von Sergej Bondartschuk. Teil I: „Petersburg tanzt“. Tolstois Wiedergeburt aus dem Geiste Anton von Werners. Eine ununterbrochene Folge von Höhepunkten: Bälle, Schlachten, Seelenwallungen, alle überlebensgroß. Das Leben ein immerwährendes Auf und Ab, aber erhaben auch in den schweren Momenten, den Niederlagen auf dem Schlachtfeld und in der Liebe. Symbolische Montagen von Naturbildern bringen Tolstois pantheistischen Optimismus auf das Niveau des Schlagerrefrains:... auf jeden Dezember folgt wieder ein Mai.