Die „Schuldenlast“ der landwirtschaftlichen Betriebe wird immer wieder als Indiz dafür angesehen, wie miserabel es den Bauern gehe. Auch im jüngsten Grünen Bericht ist genau verzeichnet, um wie viele Milliarden Mark die Verbindlichkeiten der landwirtschaftlichen Betriebe gestiegen sind, nämlich um elf Prozent auf insgesamt 21 Milliarden Mark. In dem Bericht wird auch noch darauf hingewiesen, daß die Nettoinvestitionen im Berichtsjahr geringer gewesen seien als der Schuldenzuwachs.

Ein ganz anderes Bild ergibt sich aber, wenn die Brutto-Investitionen betrachtet werden. Sie lagen immerhin doppelt so hoch wie die Zuzierungsquote von 50 Prozent in der Landwirtschaft ist recht ansehnlich. Fast ebenso beachtenswert ist die Tatsache, daß es den Bauern gelungen ist, das aufgenommene Fremdkapital in zunehmendem Umfang zu konsolidieren, das heißt, kurz- und mittelfristige Verbindlichkeiten in langfristige Kredite umzuwandeln.

Wer nur die Kassandrarufe des Bauernverbandes beachtet, könnte schlußfolgern, hier seien leichtfertige Bankdirektoren am Werk. Doch mitnichten; verschämt heißt es im Grünen Bericht, der Anteil des Fremdkapitals am Aktivkapital der Landwirtschaft habe in den letzten drei Jahren konstant 20 Prozent betragen. Daraus läßt sich errechnen, daß die vorsichtig taxierten Vermögenswerte der Bauern – also das Aktivkapital – von 1964 bis 1966 um über 21 Milliarden auf 106 Milliarden Mark gestiegen sind.

Der Vermögenszuwachs dieser zwei Jahre entspricht damit ziemlich genau der gesamten „Schuldenlast“. J. E.