Das Elternrecht und die Konfessionsschulen

Von Rudolf Walter Leonhardt

Sosehr wir uns um des lieben Friedens willen zuweilen wünschen mögen: um die Frage der Konfessionsschulen wird es keine Ruhe geben. Vorgestern zerbrach an ihr die Koalition in Niedersachsen; gestern brachte sie den katholischen CDU-Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg in Konflikte mit seiner Kirche; heute zittert die SPD-Regierung von Nordrhein-Westfalen darum, daß eine sachgerechte Reform der Volksschul-Oberstufe sie von neuem in den Geruch der Kirchenfeindlichkeit bringen könnte, den sie erst in den letzten Jahren, und in katholischen Kreisen noch gar nicht so ganz, losgeworden ist.

Immer wieder hat es sich gezeigt, und immer wieder wird es sich zeigen, daß man mit höflicher Ungenauigkeit eine Weile den Abgrund verdecken kann, daß das Erschrecken dann freilich um so größer ist, wenn er sich wieder auftut: der Abgrund zwischen orthodox katholischen Vorstellungen und säkularisierten Vorstellungen von dem, was Schulerziehung leisten kann und leisten soll.

Es handelt sich dabei nicht etwa um eine Provinzsorge deutscher Bundesländer, die mit ein bißchen geschickter Taktik in den Landtagen überspielt werden könnte. Es geht um einen weltweiten Konflikt.

Wie im Mittelalter

Erst vor kurzem wies Dr. McQuaid, der Erzbischof von Dublin, wieder darauf hin, daß es katholischen Studenten in Irland verboten sei, statt des katholischen University College der irischen Hauptstadt das liberale Trinity College zu besuchen (was nach wie vor viele Katholiken tun, da Trinity College den sehr viel besseren wissenschaftlichen Ruf hat).