Seit mehr als vier Jahren bemüht sich die französische Regierung, an der Mittelmeerküste zwischen Marseille und der spanischen Grenze ein Ferienzentrum, eine Art zweite Côte d’Azur, zu schaffen. Hier sollen in den nächsten Jahren Luxushotels und Ferienhäuser gebaut werden. Das ruft schnell Spekulanten auf den Plan. Aber die französische Regierung hat vorgebaut. Sie erwarb – ohne ihre Absichten vorher bekanntzugeben –, in dieser Region Grundstücke zu niedrigen Preisen (man spricht von einem halben Franc pro Quadratmeter). Dann wurde ein Feldzug gegen die Mückenplage gestartet.

Die zahlreichen Strandseen dieser Region – eine Brutstätte für Moskitos – wurden mit einem Aufwand von 73 Millionen Franc saniert. Die Erschließung der Grundstücke, der Straßenbau und die Einrichtung von Jachthäfen soll nochmals etwa 250 Millionen Franc kosten.

Die französische Regierung möchte jetzt die Grundstücke an den Mann bringen. Zu diesem Zweck hat sie mit dem Gesamtverband Deutscher Makler einen Vertrag unterschrieben, um mit ihrer Hilfe deutsche Käufer und Bauträger für das geplante Ferienparadies zu finden. Eine Werbekampagne in der Bundesrepublik soll Interessenten aufmerksam machen. Der Quadratmeter wird zwischen 40 und 50 Mark angeboten.

Um die Zukunft der zweiten Côte d’Azur macht man sich in Paris keine Sorgen: Für solche Vorhaben, so meint man, sitzt den Bundesbürgern das Geld locker. Im vergangenen Jahr haben deutsche Urlauber für Zweitwohnungen unter südlicher Sonne etwa 200 Millionen Mark flüssig gemacht. glp