Die Bundesregierung verfolgt eine Politik der ausgestreckten Hand. Sie hat alles getan, daß die Beziehungen zu den arabischen Ländern wieder den Ausdruck bekommen, der ihnen zusteht.“ Mit dieser im schlechten Deutsch verfaßten offiziellen Verlautbarung, wurde die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen zu Jordanien kommentiert. Die Regierung der Großen Koalition hat guten Grund, mit diesem außenpolitischen Erfolg zufrieden zu sein.

Freilich, er fiel Bonn wie eine reife Frucht in den Schoß. Anders als beim Botschafteraustausch mit Rumänien, hat die Bundesregierung sich nicht allzusehr anstrengen müssen, um König Hussein zu dieser versöhnlichen und auch nützlichen Aktion zu überreden. Manche, die in dem innerarabischen Zwist auf seiner Seite stehen – wie König Feisal von Saudi-Arabien –, werden es ihm wohl bald gleichtun.

Die arabischen Monarchen waren seit 1965, als Bonn Israel diplomatisch anerkannte, Nasser nur widerwillig gefolgt und hatten damals ihre Botschafter vom Rhein abberufen. Im Gegensatz zu Tunesien, Libyen und Marokko hatten sie es nicht gewagt, Kairo zu trotzen. Nun aber, da Nassers Stern sinkt, der Ägypter zudem den Königen den Kampf bis zum Tod angedroht hat, fühlte sich Hussein nicht mehr an die Solidarität der Arabischen Liga gebunden. In seinem Widerstand gegen Kairos Machtansprüche sucht er nach Bundesgenossen. Da bot sich ihm Bonn wie von selbst an.

Ob auch die sozialistisch regierten Länder Arabiens dem Beispiel Husseins folgen werden, wird sich noch in diesem Monat entscheiden – nach der Konferenz der Liga-Staaten und nach dem Besuch ihres Generalsekretärs Hàssuna bei Brandt. Soviel ist gewiß: Nasser wird sich mehr Zeit lassen als Hussein, und er wird es sich wohl auch mehr kosten lassen. D. St.