Für Robert Oppenheimer sind die Jahre in Princeton durchaus nicht unfruchtbar oder leer gewesen. Auch hier in Princeton hatte er seine Aufgaben, seine Erfolge, seine Genugtuungen.

Er bewahrte und entwickelte das Institute for Advanced Study als eine Stätte der reinsten und höchsten Art wissenschaftlichen und intellektuellen Strebens; er gab vielen begabten Gelehrten aus allen Teilen der Welt Gastfreundschaft, Ermutigung, Anregung und er gab Tausenden von anderen ein Beispiel wissenschaftlichen Seins in seiner besten Ausprägung: rigoros, aber menschlich; peinlich genau, aber großzügig; kompromißlos verantwortungsbewußt gegenüber der feststellbaren Wahrheit, aber stets eingedenk der Notwendigkeit, sie mit Eleganz und Schönheit auszudrücken. Indem er all dies tat, leistete er dem Fortschritt der Wissenschaft in diesem Lande und in der ganzen Welt einen Dienst von großer Bedeutung, und er war sich dessen bewußt. Dies bedeutete für ihn gewiß Erleichterung und Trost angesichts der Enttäuschung und der Bitternis, mit denen die Jahre angefüllt waren.

Diese Enttäuschung und die Bitternis bedürfen nicht der Beschreibung. Selbst jene, die Robert Oppenheimer nicht gekannt haben, vermögen leicht, sie sich vorzustellen. Der Zwiespalt, der sich aus dem Unverhältnis zwischen der Macht des Menschen über die Natur und seiner moralischen Kraft ergibt – auf keinem anderen hat er je so schwer gelastet. Und keiner hat die Gefahren, die den Menschen aus diesem Dilemma erwachsen, klarer erkannt. Die tiefe Besorgnis hat jedoch nie seinen Glauben, an den Wert der Wahrheitssuche in all ihren wissenschaftlichen und menschlichen Formen erschüttert. Doch gab es auch keinen, der leidenschaftlicher als er zu helfen wünschte, jene Katastrophe abzuwenden, zu der die Entwicklung der Massenvernichtungswaffen zu führen drohte. Es war das Wohl der Menschen, das er dabei im Auge hatte, wenngleich er glaubte, als Amerikaner diesem seinem Trachten am besten dienen können.

In den dunklen Tagen der frühen fünfziger Jahre, als Unbill und Ärgernis ihn von allen Seiten bedrängten, als er gequält und zerquält im Zentrum der Auseinandersetzungen stand, machte ich ihn darauf aufmerksam, daß er in Hunderten akademischen Instituten des Auslandes hochwillkommen wäre, und ich fragte ihn, ob er nie daran gedacht habe, jenseits der amerikanischen Grenzen zu leben. Er antwortete mir mit Tränen in den Augen: „Verdammt – ich liebe dieses Land nun einmal.“

Und in der Tat: Die amerikanische Regierung hatte nie einen Diener, der ihr im Herzen ergebener gewesen wäre als dieser; er wollte einen konstruktiven Beitrag leisten. Ich kann mir nichts Tragischeres denken als jene Reihe von Fehlern (zum Teil gewiß, aber zu einem wie kleinen Teil seine eigenen!), die es ihm unmöglich machten, diesen Beitrag zu leisten, die ihn zwangen, sich während der letzten anderthalb Jahrzehnte seines Lebens in dem verzweifelten Bewußtsein zu verzehren, daß seine Gaben, welche er wohl kannte und die einst von seinem Lande begrüßt und benutzt worden waren, um die zerstörerischen Möglichkeiten der Kernphysik zu entwickeln, verschmäht wurden, als es darum gegangen wäre, nun auch die großen positiven Möglichkeiten auszuschöpfen, welche diese Wissenschaft nach seiner Meinung barg.

Es war die große Enttäuschung seines Lebens, daß es ihm gestattet war, für das eine so viel, daß es ihm aber verwehrt blieb, für das andere überhaupt etwas zu tun. Dieser Kampf ist nun vorüber, Robert Oppenheimer kann auf diesem Felde nichts mehr tun. An uns anderen ist es nun, unser Gewissen zu erforschen und jene Mängel des öffentlichen Lebens bloßzulegen, die es vereitelt haben, daß wir uns in kritischer Zeit der Gaben eines Mannes versicherten, der so verzweifelt zu dienen wünschte.