Von Kurt Wendt

Die Finanzpolizei des brasilianischen Bundessicherheitsamtes hat Interpol gebeten, im Ausland befindliche Führungskräfte der von Genf aus verwalteten Vertriebsgesellschaft für Investment-Anteile Investors Overseas Services (IOS) vernehmen zu lassen. Das berichtete am 16. Februar 1967 der „Estado de S. Paulo“ zu der brasilianischen Affäre der IOS, die seit Monaten viele brasilianische Staatsbürger beunruhigt, weil sie befürchten müssen, wegen Devisenvergehen und Steuerhinterziehung vor Gericht gestellt zu werden.

In der ZEIT wurde am 20. Januar unter der Überschrift „Millionenpartys“ darüber ausführlich berichtet. Die brasilianische Polizei wirft der IOS vor, illegal tätig gewesen zu sein und auch illegal Gelder ins Ausland gebracht zu haben. Die Genfer Zentrale von IOS weist uns berichtigend darauf hin, daß im Zusammenhang mit diesen Beschuldigungen keiner ihrer Repräsentanten verhaftet worden ist. „Richtig ist vielmehr, daß Mitte November 1966 – seltsamerweise genau am Vorabend der letzten Wahlen in Brasilien – einige unserer Repräsentanten zum Verhör vorgeladen und anschließend wieder freigelassen wurden. Frei sind sie noch immer, und bis jetzt wurde weder gegen einen IOS-Direktor noch gegen einen IOS-Kunden irgendein rechtlicher Schritt unternommen.“ Das war am 25. Januar 1967.

Inzwischen scheint man in Brasilien nicht ganz untätig gewesen zu sein. Die Brasilianer möchten jetzt den IOS-Gründer und Präsidenten Bernard Cornfield vernehmen lassen. Aber das wird wohl ein Wunsch bleiben, denn es ist kaum vorstellbar, daß sich Interpol dazu bereit finden wird. Interpol schützt nicht die Devisengesetze eines Landes.

Ferner soll vernommen werden George William Treggea, der die „illegale“ IOS-Organisation in Brasilien leitete, bis er nach Genf übersiedelte. Seinen Nachfolgern im Brasiliengeschäft, Friedrich Wilhelm Borlin und Johann Heinrich Jessen, möchten die Brasilianer ebenfalls peinliche Fragen stellen. Sie werden auf Grund der durchgeführten polizeilichen Ermittlungen beschuldigt, 500 Millionen Dollar aus Brasilien ins Ausland geschafft zu haben. Beiden soll es gelungen sein, rechtzeitig – nach ihrer ersten Vernehmung Brasilien zu verlassen.

Der ZEIT gegenüber bestreitet IOS-Vizepräsident W. Thad Lovett ganz energisch die Beschuldigung, daß die IOS-Repräsentanten „Banknoten einfach im Handgepäck ins Ausland transportieren“. Ein Dementi, auf das die brasilianische Öffentlichkeit schon lange wartet, das aber dort – wie unser Korrespondent uns versichert – bislang nicht abgegeben wurde. Brasilianische Zeitungen wußten zu berichten, daß einer der „zum Verhör Vorgeladenen“ der Polizei dieses bis dahin mehr oder minder sorgfältig gehütete Geheimnis preisgegeben hat.

Nach der Genfer Version hatten die „meisten“ der IOS-Kunden ihr Geld bereits im Ausland, so daß die IOS nur den Transfer (zum Beispiel von New York, Beirut und Hongkong in die Schweiz) besorgte. „Die IOS hat auch keine Provision eingestrichen, ‚deren Höhe dem Risiko entsprach‘ (wie in der ZEIT berichtet worden war): Denn die Provisionssätze der IOS sind immer gleich und immer schriftlich fixiert.“ So jedenfalls die Behauptung der Genfer IOS-Zentrale.