Nicht ganz so ungefährlich, wie bisher immer angenommen, ist möglicherweise die Radiostrahlung von UKW- und Fernsehsendern oder Radaranlagen, der jetzt immer mehr Menschen ständig ausgesetzt sind. Diese Befürchtung äußerte die Psychologin Professor Susan Korbel (Universität Arkansas) unlängst auf einer Tagung des amerikanischen Rates für die Förderung des Wissenschafts Journalismus in Gatlinburg (Tennessee).

Ratten zumindest reagieren auf solche Wellenlängen ziemlich nervös, so fand die Forscherin in Experimenten, die 1961 begannen. Sie setzte die Tiere einer Strahlungsintensität aus, wie sie wenige Kilometer im Umkreis von UKW- und Fernsehstationen gemessen wird. In den ersten Tagen der Bestrahlung, die jeweils zwanzig Stunden anhielt, benahmen sich die Ratten weitaus lebhafter als sonst; danach verfielen sie in Lethargie. Ihr Nervensystem erwies sich als abnorm störanfällig.

Nach dem Ende der Radiostrahlung konnte Professor Korbel die Verhaltensauffälligkeiten noch einige Tage beobachten, dann verschwanden sie. Bleibende Störungen waren nicht nachzuweisen.

Im Lichte dieser Experimente sollte die Wissenschaft ihre Auffassung über die Wirkungen von Rundfunkwellen auf den Organismus revidieren, so glaubt die Psychologin, Es ist längst bekannt, daß sehr starke UKW-Strahlung das Körpergewebe zerstören kann; die Schäden führte man bislang allein auf die dabei entstehende Hitze zurück. Deshalb gelten schwache Radiowellen, die keine Wärme erzeugen, als ungefährlich, Dem widerspricht jetzt Professor Korbel: Auch schwache Strahlung beeinträchtigt den Organismus. Sie fordert eine Untersuchung dieser bisher vernachlässigten Zusammenhänge. R.M.