Mao Tse-tung hat seinen ehrgeizigen Versuch, China in eine Allianz von Kommunen nach dem Vorbild der Pariser Kommune von 1871 umzuwandeln, trotz der Konfusion im Lande keineswegs aufgegeben. Die Frühjahrsmonate werden nach seinen Worten „eine entscheidende Periode“ sein, in der die Massen mobilisiert werden müssen, um in Partei, Verwaltung, Finanzen und Kultur die Macht zu übernehmen.

In den letzten Tagen hat die Führung der Partei, als deren Sprecher immer mehr der maßvolle Ministerpräsident Tschu En-lai hervortritt, die Kulturrevolution zu disziplinieren und auf Vordermann zu bringen versucht. Allzu üppiger Wildwuchs wurde beschnitten.

Mehrere sogenannte Rebellen-Organisationen unter den Roten Garden wurden verboten, weil sie sich Lügen ausgedacht (vielleicht auf Wandzeitungen?), Leiter der staatlichen Organe angegriffen und Staatseigentum beschädigt hätten. Den Mitgliedern wurde Straffreiheit zugesichert, falls sie ihre Irrtümer zugäben und sich an ihre Arbeitsplätze zurückzubegeben.

Wichtiger als der Fortschritt der Kulturrevolution ist zur Zeit aber die Frühjahrsbestellung. Bauern und Soldaten wurden aufgefordert, statt zu demonstrieren erst einmal die Äcker zu pflügen.

Schüler und Studenten müssen wieder zur Schule gehen, die Arbeiter wurden an ihre Arbeitsstäätten zurückbeordert. Es schien höchste Zeit zu sein: Reisende berichteten, in Kanton seien zerlumpte Rotgardisten zu Dieben geworden, nachdem die Bevölkerung ihnen weder Nahrung noch Unterkunft geboten hatte.

Moskau ermutigt weiterhin die Gegner Maos zum Widerstand. Die Zeitschrift „Kommunist“ schrieb: „Wenn es Mac Tse-tung gelingt, sein Ziel zu verwirklichen, nämlich eine einheitliche Organisation aus Sturmtruppen zu bilden, die in Kontakt mit der Armee handeln, dann wird das die Errichtung einer terroristischen Militärdiktatur mit all ihren Konsequenzen bedeuten.“