Mister Brown aus London träumt spätestens bei den ersten Anzeichen des Inselfrühlings von sonnigen Stränden, freundlichen Pensionen und vom sorglosen Leben in den Paradiesen des Urlaubsglücks. Doch erstmals sind ihm Grenzen gesetzt. Seit November 1966 ist sein Budget für Auslandsreisen beschränkt auf 50 Pfund (etwa 555 Mark) und 15 Pfund Taschengeld, die am Zielort umgetauscht werden können.

In England ist die Reisedevisenbilanz ähnlich negativ wie in der Bundesrepublik. Die Regierung glaubte zweierlei zu erreichen: das Geld im Lande zu halten und den eigenen touristischen Gebieten im Southern Upland, in den Cambrian-Mountains, am St.-Georgs-Kanal und rund um den Lake-District Entwicklungshilfe zu geben.

Mister Brown suchte unverzüglich nach Türchen zu fernen Inselfluchten und fand sie auch mit Hilfe der großen Reisebüros seines Landes. Die durchschnittlichen Ausgaben der Briten im Ausland, so errechnete die „Times“, sind ohnehin-nicht höher als 47 Pfund pro Urlaub. Außerdem sind ihm noch zusätzliche 25 Pfund für das Benzin gewährt. (Genug, um ohne Umwege Südfrankreich oder Norditalien anzusteuern.) Das bedeutet, so Thomas Edging, Travel-Sales-Manager in London: „Dem englischen Touristen stehen nach wie vor alle Kontinente offen. Gewiß, er wird in Zukunft die Luxushotels in Nicht-Sterling-Ländern meiden. Davon betroffen sind in erster Linie Frankreich und die Schweiz.

Deutschland aber, prophezeit Edging, mache sich wohl falsche Hoffnungen, wenn es glaube, wegen seiner Nähe profitieren zu können. Die klimatischen Bedingungen beider Länder seien einander zu ähnlich. Der Engländer, der aufs Festland reise, suche Sonne und Kurzweil.

So ist denn auch Deutschland in der großen Reisebeilage der „Times“ so gut wie nicht erwähnt. Die Bundesrepublik ist für den Engländer nach wie vor nur ein Durchreiseland.

Mister Brown braucht, wie es zunächst schien, keineswegs bescheidener zu planen, wenn er auf den Generalstabskarten des Fernwehs seine Routen für den diesjährigen Sommer absteckt. Er muß nur anders planen. Beispiel: Alle Länder des Sterlingblocks sind von der Beschränkung ausgenommen. Er kann also in Ceylon und auf den Fidji-Inseln unter Palmen liegen, in Kenia Löwen schießen, das Nachtleben von Hongkong genießen oder das einfache Leben in Island, Neuseeland und Nigeria. Die Sterling-Länder wiederum öffnen Mister Brown die Pforten zu anderen Ländern, die ihm auf direktem Weg verschlossen bleiben. Jordanien ist ein Ausgangspunkt für Abstecher in den Libanon. Von Gibraltar aus erreicht man Marokko oder Portugal. Die Bahamas sind ein Sprungbrett für Florida.

Die Reisebüros sind unerschöpflich im Erfinden neuer Variationsmöglichkeiten, die vergessen lassen, wie eng Old-England den Devisengürtel geschnallt hat: Die Schiffe englischer Reeder sind britisches Währungsgebiet. Die Fahrt wird in Pfunden bezahlt. Devisen gibt’s in den Häfen. Das Gesamtangebot ist so umfangreich wie noch nie in der Geschichte des englischen Tourismus. Reiseziele in sozialistische Länder werden wesentlich häufiger angeboten als in der Bundesrepublik. Die Tschechoslowakei genießt eine gewisse Favoritenstellung. Noch eins: Die 65 Pfund stehen jedem Familienmitglied zu, vom Baby bis zum Großvater. Bungalow-Ferien in Rimini oder Riccione für zwei Erwachsene und zwei Kinder mit insgesamt 260 Pfund (gleich ungefähr 2880 Mark) – das müßte doch gehen.