Als Mr. Tsai, amerikanischer Chinese und gelegentlich „Goldkind von Wall Street“ genannt, im Februar 1966 den Manhattan Fund ins Leben rief, wurde er von allen Seiten mit Vorschußlorbeeren bedacht. Seine Anlage- oder auch Spekulationserfolge an der amerikanischen Börse hatten Aufsehen erregt und man zweifelte nicht daran, daß künftig die Anteilsinhaber des Manhattan Fund von den Fähigkeiten dieses Anlagemanagers profitieren würden. Innerhalb weniger Monate flössen der Anlagegesellschaft mehr als 2 Milliarden Mark aus Sparertaschen zu. Haben sich die hochgespannten Erwartungen erfüllt? Konnten sie angesichts der sinkenden Börsenkurse in den USA überhaupt realisiert werden? Darüber hat Mr. Tsai in Frankfurt einige Auskünfte gegeben.

Der Zeitpunkt der Fondsgründung war günstig, wenn man es aus dem Blickwinkel der Gründer betrachtet. Die Wall-Street-Hausse hatte das Interesse für amerikanische Aktien geweckt. Jedermann glaubte, an der Aufwärtsbewegung der Kurse mühelos mitverdienen zu können. Die Gelder flossen der neuen Anlagegesellschaft reichlich zu, wie ich Ihnen, meine verehrten Leser, schon in der Einleitung sagte. Ungünstig war der Zeitpunkt für die Anlagemanager und Anteilsinhaber, weil die Wall-Street-Hausse im Gründungsmoment ihren Höhepunkt schon überschritten hatte und es erfahrungsgemäß schwierig ist, bei fallenden Kursen die in Aktien angelegten Vermögen zu vermehren. Als deshalb der Manhattan Fund im vergangenen Monat sein einjähriges Bestehen feierte, sah die Rechnung für die Aktionäre (gleich Zertifikatsbesitzer) so aus: Der Netto- oder Rückkaufswert der Anteile ist von 9,15 Dollar (10 Dollar minus 8,5 Prozent Kaufgebühr) auf 8,60 Dollar zurückgegangen. Der Nettoverlust betrug also ca. 6 Prozent. Als „Entschuldigung“ mag gelten, daß zur gleichen Zeit der Dow Jones-Index um 20 Prozent zurückging. Daß es jedoch möglich war, günstiger abzuschneiden, beweist der auch in der Bundesrepublik bekannte amerikanische Dreyfus Fund, der einen Gewinn von schätzungsweise 12 Prozent erzielte.

Wir wissen aus der Entwicklung der deutschen Investment-Fonds, daß die Ergebnisse eines Jahres oftmals zu falschen Schlüssen führen. Deshalb darf man den „Mißerfolg“ des Mr. Tsai nicht überbewerten. Aufschlußreicher ist seine Auffassung, daß die amerikanischen Aktien trotz der in den USA unsicheren Konjunkturlage eine aussichtsreiche Zukunft vor sich haben. So jedenfalls begründete er die Tatsache, daß sein Fund rund 93 Prozent der verfügbaren Mittel in amerikanischen Aktien angelegt hat, am Jahresende waren es nur 84 Prozent. Im Fonds-Vermögen befinden sich nicht nur Spezialitäten, auf die sich Mr. Tsai in der Vergangenheit besonders gut verstand, sondern auch Aktien, die sich in die Kategorie „blue chips“ einreihen lassen: Panam, TWA, RCA, Zenith Radio, ITT, Eastman Kodak, IBM, Xerox, Pennsylvania Railroad und ATT.

Trotz des internationalen Widerhalls, den der Manhattan Fund gefunden hat, wurden bisher nur 1 bis 1 1/2 Prozent der Fund-Aktien außerhalb der USA abgesetzt. Nunmehr soll aber auch der europäische Markt bearbeitet werden. Deshalb die Reise Mr. Tsais nach Frankfurt und die Börseneinführung der Manhattan Fund-Aktien in Amsterdam. In der Bundesrepublik wird kein Verkauf der Anteile durch eine Vertreterorganisation stattfinden. Dagegen bastelt man an einer Vertriebsform, die auch in den USA bekannt ist, in der Händler oder Handelsfirmen in den Vertrieb der Anteile eingeschaltet werden. Das Patronat in der Bundesrepublik hat das amerikanische Effektenhaus Bache & Co. übernommen, seit Jahren bei uns bemerkenswert aktiv.

Beim Manhattan Fund hat man keine Hemmungen auch über Spesen zu sprechen, die sich nicht wesentlich von denen anderer echter US-Fonds unterscheiden. Sofern Anlagen unter 25 000 Dollar vorgenommen werden, macht die Kaufgebühr 8,5 Prozent aus. Bei höheren Summen ermäßigen sie sich. Von den erwähnten 8,5 Prozent gehen – wie auf einer Pressekonferenz in Frankfurt mitgeteilt wurde – allein 6,5 Prozent an die Händler. Verkaufen ist bei den Amerikanern eben alles – und dafür zahlen sie viel Geld.

Der Manhattan Fund verkauft – wie ebenfalls erklärt wurde – keine verbindlich zwingende Investment-Sparverträge. Natürlich gibt es auch hier langfristige Sparpläne, aber eine Unterbrechung oder vorzeitige Aufgabe führt beim Manhattan Fund nicht zum Verlust der vorzeitig abgezogenen Gesamtspesen, ein Verfahren, das auch in den USA immer mehr unter Beschuß gerät und dessen sich die von verschiedenen Seiten geforderte deutsche Prüfstelle für die Zulassung des Verkaufs ausländischer Investment-Anteile sicherlich annehmen wird.

Am Rande zu vermerken ist, daß der Fund of Funds (mit Sitz außerhalb der USA), der die Anteile anderer Anlagegesellschaften erwirbt und dessen Aktien forciert in der Bundesrepublik angeboten werden, auch Manhattan Fund-Anteile erworben hat. Dabei handelt es sich, wie Mr. Tsai sagte, jedoch um weniger als 20 Millionen Dollar. Die Satzung des Manhattan Fund macht es unmöglich, daß der Fund of Fund den Manhattan Fund eines Tages majorisiert.

Ihr Securius