Bonn

Als ich mich“, so klagte Felix Spanke dem Rektor der Bonner Universität, „in würdiger Haltung mit vor dem Bauch zusammengelegten Händen vor dem Schreibtisch des Herrn Professor von Weber hinstellte, um meine tatsächliche Haltung im hinteren Teil des Mittelschiffs der Basilika zu Czenstochau zu demonstrieren, sagte mir Herr Professor von Weber in tadelndem Ton: ‚Das ist nicht viel besser, als hätten Sie die Hände in den Taschen gehabt.‘ “

Der Untersuchung des Universitätsrats von Weber war die Maßnahme von Rektor Gassner gefolgt: Er setzte Felix Spanke als Tutor des Bonner Studentenheims Augustinushaus ab, weil die „Vertrauensbasis“ nicht mehr ausreichte. Der tiefere Grund: Spanke, Australienheimkehrer, Bruder eines Kaplans, soll als Reiseleiter einer Polenfahrt von Bonner Studenten nicht deutsch und nicht katholisch genug gewesen sein, um im Sinne der Völkerverständigung und der staatlichen Geldspenden zu wirken.

Dabei agiert der politisch nicht organisierte Katholik und affektgeladene NS-Feind Spanke seit langem geradezu als Aussöhnungsapostel. Durch seine Initiative kam die Polenreise zustande: Spanke beschaffte, was aussichtslos schien, die Visa von der polnischen Handelsmission. Er holte auch eine Rekordsumme an Spenden ein: vom Erzbistum Köln bis zu Flick, von Lübke bis zum Auswärtigen Amt. Erst am letzten Vorbereitungsabend erschien ein bis dahin unbekannter Reiseteilnehmer, Dozent Dr. Georg Droege. So spät er kam, so schnell wurde der Assistent vom Institut für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande auf der Ostlandreise zum Widerpart des „Kosmopoliten“ Spanke.

„Er fühlte sich nicht als Deutscher“, so kanzelte Katholik Droege den Glaubensbruder Spanke nach der Rückkehr in Berichten ab. Der Reiseleiter habe die Bundesrepublik als „Friedensfeind“ hingestellt, die „Gräben noch vertieft“ und die „geistige Vorbereitung“ der Reise versäumt. Gipfel der Vorwürfe: Spanke habe „die uniform aussehenden Neubauviertel“ lieber besichtigen wollen als die schwarze Muttergottes von Czenstochau. Als man dennoch das polnische Nationalheiligtum besuchte, habe Spanke neben dem Priester ostentativ die Hände in die Taschen gesteckt und sich „breitbeinig aufgepflanzt“.

Schützenhilfe erhielt Droege von einem Doktoranden seines Instituts. Dieser vermeldete Beispiele schlechter Reisevorbereitungen: ein linker Student habe, was die mitgereisten SDSler nachdrücklich dementierten, nach einer Kolchose statt nach einer Domäne gefragt. „Ein Blick aus dem Fenster hätte“, so der Landeskunde-Doktorand, „darüber unterrichten müssen, daß die Landschaft Polens völlig anders strukturiert ist als die Mitteldeutschlands.“ Spanke habe schließlich die polnische Reiseführerin „arrogant kommandiert“.

Mußten spätestens bei diesem Vorwurf dem mit der Untersuchung beauftragten Universitätsrat Professor von Weber nicht Zweifel kommen? Spanke kann nämlich einen Brief der Polin vorlegen. Die angeblich von ihm auch noch in ihren religiösen Gefühlen verletzte Reiseführerin schrieb: „Lieber Felix ... sonst sind meine Eindrücke und Erinnerungen an Dich und viele andere Teilnehmer Eurer Gruppe viel besser als an eine schweizerische Gruppe... Desto mehr tut es mir leid, daß Du jetzt so vieles Unangenehmes von den anderen erleben mußt.“